Es gibt nur eine Frage, die uns schnurzpiepegal ist: Welche Farbe Ihr Fahrrad hat!

Ergonomie ist eine Wissenschaft. Ihr Ziel ist eine optimale Anpassung einer Arbeitsumgebung an den Menschen, da dieser unter besseren Bedingungen bessere Arbeitsergebnisse erzielt, weniger ermüdet und länger arbeitsfähig bleibt. Ergonomie wurde ursprünglich entwickelt, um den Profit von Unternehmen zu maximieren. Ergonomie will Leistungssteigerung, aber gesehen auf einen langen Zeitraum und dient so – inzwischen auch in vielen anderen Bereichen – nebenbei unserer Gesundheit.

Ein Computer-Arbeitsplatz für sich alleine kann nicht ergonomisch sein, ein Fahrrad auch nicht und schon gar nicht seine einzelnen Teile. ‚Ergonomisch‘ kann immer nur im Zusammenhang mit einem Menschen stehen. Für einen Computerarbeitsplatz gelten bestimmte, wissenschaftlich erforschte Regeln. Diese Regeln sollen ein effizientes, ermüdungsarmes und körperschonendes Arbeiten ermöglichen. Wie die nebenstehende Abbildung zeigt, ist dazu das Einhalten bestimmter Masse und Winkel unabdingbar.

Ein Computer-Arbeitsplatz kann also für den einem Menschen ergonomisch richtig sein, für den nächsten ergonomisch falsch – große Menschen benötigen Dinge anders als kleine Menschen, gesunde Körper andere als kranke Körper.

Ergonomie fragt nach den Vorgaben durch den Benutzer und passt das Arbeitsgerät diesen Bedingungen an. In der Werbung für ein Massen-Produkt ist der Begriff ‚ergonomisch‘ deshalb vollkommen unangebracht.

Wäre das Fahrrad Teil eines Produktionsprozesses, wäre auch hier die Einhaltung ergonomischer Regeln längst vorgeschrieben und würde genossenschaftlich kontrolliert.

Ergonomie am Arbeitsplatz

Quelle: Wikipedia / Ergonomics, Integrated Safety Management, Berkeley Lab

Ergonomie im Fahrradbau

Bezogen auf das Fahrrad ist entscheidend, dass die Berührungspunkte zwischen Rad und Fahrer nach ergonomischen Gesichtspunkten passen – aber das ist längst nicht alles. Die ergonomischen Anpassung eines Fahrrades muss Körperbau, Leistungswillen und Leistungsfähigkeit des Fahrer berücksichtigen. Die Frage, ob der Fahrradfahrer groß oder klein, leicht oder schwer ist, darf sich dabei nicht nur in der Stabilität des Fahrrades widerspiegeln. Die Frage, wo und wie man ein Fahrrad benutzen möchte, kann zu ganz unterschiedlichen Fahrrädern führen. So muss z. B. der Abstand Sattel zu Pedalen bei unterschiedlichen Sitzpositionen unterschiedlich sein – bei gleicher Beinlänge –, und natürlich auch der Abstand Sattel zu Lenker – bei gleicher Körpergröße! Auch das körperliche Befinden spielt eine große Rolle, nicht erst, wenn der Körper nicht mehr hundertprozentig funktioniert – dann aber um so mehr.

Ein ergonomisch passendes Fahrrad schützt sie nicht nur vor gesundheitlichen Schäden durch falsche körperliche Belastung (Die meisten Radfahrer klagen über Nacken, Schulter-, Rücken-, Gesäß oder Gelenkprobleme bei längeren Fahrten.). Ein ergonomisch passendes Fahrrad kann Ihnen bei körperlichen Gebreche, trotz dieser, zu entspanntem Radfahren verhelfen. Es bietet mehr Komfort, ermöglicht mehr Leistung und führt so zu mehr Freude am Radfahren. Und meist auch zu mehr Kilometern durch häufigere Nutzung und/oder weitere Strecken – und dass Bewegung gut tut, wenn wir uns richtig bewegen, wissen wir alle.

Abstand Sattel-Lenker-Tretlager, Sattelhöhe, Lenkerhöhe, Tretlagerhöhe, Kurbellänge, Sattelneigung, Handgriffposition sind die wichtigsten Punkte, wenn es um Ihre Körperhaltung auf Ihrem Fahrrad geht: Wollen Sie mit Ihrem Fahrrad ‚bummeln‘, so muss Ihre Sitzposition ohne große Körperspannung auskommen und ihren Ergonomie-Vorteil bei „Halbgas“ ausspielen. Radrennfahrer dagegen fahren immer mit vollem Leistungseinsatz und benötigen dafür auch eine ganz andere Körperhaltung, die eine andere Rad-Geometrie voraussetzt.

Kaufen Sie also nicht ein Rad und versuchen dann, es Ihren Anforderungen anzupassen. Aus ergonomischer Sicht – und damit für Freude und Gesundheit – ist es wichtig, sich zuerst um die Bedingungen zu kümmern, und sich dann ein Rad zu kaufen, das diesen Anforderungen gerecht wird.

Nicht nur in Bezug auf hochwertige Reiseräder beschäftigen wir uns bereits über 30 Jahre mit Fahrrad-Ergonomie und dieser Frage: „Wie muss ein Fahrrad beschaffen sein, damit es dem Besitzer leicht fällt, sich damit auf seine Weise zu bewegen – mit Freude?“.
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