Mein Name ist Thomas Just. Technische Dinge haben mich schon immer fasziniert. Mein Berufsleben begann mit einer Werkzeugmacher-Lehre, es folgte eine Waffenmechaniker-Ausbildung bei der Bundeswehr, die Meisterschule und Zusatzausbildungen.

Bei der Bundeswehr musste ich als Motorradfahrer bald die Kradmelder-Werkstatt übernehmen und bestritt erfolgreich mein erstes Motorrad-Geländerennen (Kradmelder-Wettbewerb). Der erste Platz und die anschließende Deutschland-Hymne blieben mir noch lange im Gedächtnis. Vielleicht der Ursprung meiner Zweirad-Begeisterung!

Nach der Bundeswehrzeit begann ich mich auch für Autorennen zu interessieren, arbeitete zuerst in einem Betrieb, der Motorradrahmen richtete und an Motorrad-Rennrahmen werkelte, später in der Werkstatt eines großen Fahrrad- und Mopedgeschäftes in Düsseldorf.

In dieser Werkstatt befiel mich der Virus der schnellen Fahrräder. Schnell fiel mir das Glitzern in den Augen auf, wenn Radrennfahrer den Laden besuchten oder „gute Räder“ in der Werkstatt standen. Für mich als begeisterten Technikfreak stellte sich schnell die Frage: „Warum sind die Räder mal so schnell und mal nur einfach bunt?“ Wo waren die technischen Unterschiede, denn einen Lenker, einen Sattel und zwei Räder hatten sie alle. So baute ich mir neugierig mein erstes Rennrad und versuchte alles richtig zu machen. Ein tolles Fahrrad – das ich mit Mitleid oder auch einem bewundernden Schmunzeln ansehen würde, wenn es heute in meine Werkstatt geschoben würde.

Im Februar 1983 machte ich meinen eigenen Fahrradladen auf, was eigentlich eine Übergangslösung sein sollte. Es war eine spannende Zeit. Ich lernte eine begabte Mechanikerin kennen, bildete Sie aus und heiratete Sie dann. Die Zweirad-Begeisterung wuchs, wIr begannen mit Radreisen und waren bemüht, unseren Kunden nicht einfach irgendein Fahrrad von der Stange zu verkaufen. Nebenbei trainierte ich für meine „Karriere“ als Motorradrennfahrer. Mit 198 cm Körpergröße und 110 kg Gewicht ist so etwas ein doofer Plan, trotzdem verbrachte ich viel Zeit am Nürburgring und in meiner Garage beim Schrauben. Das ging so lange gut, bis hinter mir jemand sehr schwer stürzte. Danach waren Motorradrennen für mich erst einmal Geschichte.

In unserem Fahrradladen traf ich den ersten Radfahrer, der für sich hochprofessionell ein Reiserad gebaut haben wollte. Die Planung sah eine Stückliste, Beladungsliste und eine vermutliche Haltbarkeitsplanung vor. Dies Vorgehen war für meine Vorstellung vom Fahrrad und dessen Fahrern außergewöhnlich, und ich entdeckte sofort Parallelen zu einem Rennmotorrad und seinem Fahrer. Diese Vorstellung ist in meinem Kopf bis heute gültig – beiden kommt es nämlich auf Fahrbarkeit, Berechenbarkeit, Leistungsfähigkeit und Bezahlbarkeit an (… und nicht auf BUNT).
So entdeckte ich meine Begeisterung für Reiseräder und für die Marke Patria. Ich baute mit Patria ein erstes Einzelstück für mich, dass mich – mit Gepäck – in knapp zwei Tagen von Düsseldorf bis auf die Insel Borkum transportierte. Diese Tour überzeugte mich von der Marke Patria – ich wurde Patria-Händler.

Nach 10 Jahren zogen wir mit mit unserem Laden auf die Jordanstraße, da die Räumlichkeiten auf der Moltkestraße einfach zu klein wurden.
In meiner Freizeit fuhr ich mit dem Rennrad über die Nordschleife und fuhr regelmäßig bei Motorrad-Renntrainings. Mit meiner Frau Heike gemeinsam begann ich, in der Freizeit Motorrad-Seitenwagen zu fahren und wie es kommen musste, hierbei auch Rennen zu gewinnen. Ich wurde neben meiner Tätigkeit im Laden Fahrtechnik-Instruktor für Seitenwagen-Gespanne und hatte bei vielen Lehrgängen als Instruktor eine gute Zeit. Beim Motorradfahren wie beim Radfahren geht es um die Frage: „Wie muss das Gerät beschaffen sei, wie muss ich darauf sitzen und fahren, um möglichst geschmeidig mein Ziel zu erreichen?“.

Dann wurden wir Eltern. Der Laden war unser zweites Zuhause mit viel Arbeit und Kind. Wir waren Händler von Simplon, Gazelle, Koga Myiata, Hercules, Giant, Kettler, Peugeot, Bianchi, Patria, Villiger und vielen anderen namhaften Firmen.

Gesundheitliche Gründe zwangen uns, nach weiteren 10 Jahren erneut mit unserem Laden umzuziehen, diesmal wieder in ein kleineres Ladenlokal. Diese gesundheitlichen Gründe führten auch dazu, dass ich mich noch stärker um das Thema Ergonomie in Bezug auf das Radfahren kümmerte. Gemeinsam mit Patria strickten wir an vielen Fahrradmodellen und dem Velochecker und es entstanden die ersten wirklich auf die Körpermaße der jeweiligen Fahrer abgestimmten Reise- und Tourenräder. Ich baute mit Patria die ersten Reise-Pedelecs, und – wie soll es auch anders sein – fuhr mit meinem auch bei einem Renntraining auf der Nordschleife mit. Dieser Patria-Speedster ist seither mein Untersatz bei allen Radreisen und Radtouren und auf dem Weg zwischen Wohnung und Laden. Neben Verkauf und Reparatur von Rädern nimmt bei uns die reine Beratung in ergonomischen Fragen immer mehr Raum ein.

Mein nun fast seit 40 Jahre andauerndes Training der Kampfkunst und die damit einhergehende Auseinandersetzung mit Gleichgewicht, Muskel- und anderen Funktionen des menschlchen Körpers helfen mir, die Körperlichkeit meiner Kunden besser berücksichtigen zu können. Denn meist geht es bei meiner Ergonomie-Beratung nicht nur um das Rad, sondern vor allem auch um den Fahrer/die Fahrerin und seine/ihre Haltung auf dem Rad. Bei grundlegend falscher Haltung nutzt ja das beste Rad nichts.

Heute ist das Thema Fahrrad-Ergonomie das für mich wichtigste Thema. In einer Zeit, in der Bewegung fehlt, kann Radfahren – mit der richtigen Haltung auf dem richtigen Rad – ein Jungbrunnen sein.

Und trotzdem habe ich unseren Laden im September 2018 aufgeben müssen. Die ein Jahr dauernde Suche nach einem passenden Nachfolger verlief trotz großartiger Unterstützung der Handwerkskammer ergebnislos. Dabei sind unsere Zahlen gut gewesen und der Kandidat hätte nur die Ware zum Einkaufspreis bezahlen müssen. Aber zum Ende hin entschloss sich mein alter Meisterkollege und ständiger Widersacher Peter Rewald, mit seinem Fahrradgeschäft re-Cycler, einen Teil meines Ladens zu erwerben. Natürlich verbunden mit dem Wunsch, dass ich für zwei Tage in der Woche zu Ihm komme und Ihm mein Wissen übermittle. Da ich Ihn und seine Frau Petra sehr schätze, komme ich diesem Wunsch gerne nach. So habe ich weiterhin Gelegenheit an meinem Lieblingsthema dran zu bleiben.

Es grüßt
Ihr Thomas Just