Der kritische Mensch ist doch eigentlich schon ein halber Genuss-Radfahrer.

Auf jeden Fall macht es mir Freude, wenn ich nach einem stressreichen Tag auf mein Fahrrad klettere und nach Hause radele. Plötzlich treten die einfachen Dinge in den Vordergrund. Es geht um kalt oder warm oder um die Frage, warum der Laden gegenüber plötzlich leer ist. Ich genieße die Zeit und stelle mir manchmal vor, ich würde einfach bis zum Meer weiterradeln.

Oft frage ich mich, warum ich so oft alleine mit dem Fahrrad nach Hause fahre. Wenn ich dann Bekannte oder Nachbarn danach frage, so sehe ich Gesichter, die an den mächtigen POPO-AUA denken oder an die schmerzenden Handgelenke. „Hmm …“ höre ich dann – und etwas von zu aufwändig und so! Obwohl ich den Verdacht habe, dass sie mich manchmal beneiden und auch mitfahren möchten. Wenn da nicht der Popo wäre, und die Handgelenke.

Irgendwann sehe ich sie dann mal mit ihrem Fahrrad und verstehe vieles. Wenn sie darauf sitzen, ist das so, als wollten sie in Gummistiefel joggen. Stimmt, damit wäre mir der Aufwand auch zu groß.

Aber wieso ist das so?

Alle haben einen ergonomisch angepassten, Super LUX beleuchteten EDV-Arbeitsplatz und kaufen ihre Laufschuhe nur beim Spezialisten. Das Auto ist farblich angepasst und besitzt ESP und ABS, verstellbares Lenkrad, elektrisch einstellbare Sitze, eine Stereoanlage vom feinsten und vieles mehr.
Und das Fahrrad? Schubkarre zum draufsetzen! Wie im Taucheranzug wandern! Es passt schlichtweg nicht. Schmerzende Handgelenke, Rückenschmerzen und grenzenlose Anstrengung sind damit garantiert. Sicherlich ist es schön bunt und es war auch bestimmt ein Schnäppchen. Aber zum genüsslichen Radfahren taugt es nicht. Es ist ergonomisch wertlos. Eben wie besagtes „in Gummistiefel joggen“.

Aber wie ginge es besser?

Hey, seit kritisch Leute! Das Auto gab es auch erst nach langer Informationsphase, Abwägen und einer Probefahrt. Für die Laufschuhe bist Du auch extra in Deinen speziellen Laden gefahren. Und das Fahrrad? Das hast Du Dir vonirgendwo mitgebracht? Ich sag da nur „Gummistiefel …“!

Mach’s doch wie mit den Laufschuhen und Deinem Auto. Geh zu einem Spezialisten, eine Ergonomieberatung informiert Dich über die Zusammenhänge und dann fahr Probe. Wenn Dich danach der Schuh irgenwo drückt, lässt Du das beheben. Nächste Probefahrt! Solange, bis Du kein AUA mehr hast.
Erst wenn alles OK ist, kaufst Du das Rad. Das ist dann ein echtes á la carte Fahrrad, und an dem und mit dem hast Du dann auch garantiert Spaß.

Wir sehen uns dann demnächst auf dem Fahrrad.

Ihr Thomas Just