In den meisten Fällen scheuen die Eltern die Kettenschaltung, da sie die lieb gewonnene Rücktrittbremse vermissen. Das die Kettenschaltung schwieriger zu erlernen ist und einen sensibleren Umgang benötigt, spielt hier meistens eine Nebenrolle.

Also müsste die Frage eher lauten:

Rücktrittbremse oder Freilauf und Handbremsen!

Diese Frage ist leichter zu beantworten:

Natürlich eher Handbremsen (wenn sie kindgerecht und wirksam genug sind). Optimal wären zwei Handbremsen und eine Rücktrittbremse. Warum?

Erklärung:

Schreiben Sie einmal mit dem rechten Fuß eine 5 und mit der linken Hand eine 7! Sie werden feststellen das Sie im Normalfall nur eins von beiden gut schaffen.

Für das Fahrrad bedeutet das, dass Sie sich bei einer Vollbremsung auch nur auf eine Bremse konzentrieren können und auch nur mit einer Bremse stoppen. Soweit so gut, aber die Rücktrittbremse wirkt wie die Handbremse an Ihrem Auto nur auf die Hinterachse!

Haben Sie schon einmal versucht mit der Handbremse auf der Autobahn zu stoppen??? (Gruselig – glauben Sie mir!) Wenn Ihr Kind also mit der Vorderradbremse der Rücktrittbremse helfen könnte, wäre das deutlich besser. Aber beides zu kontrollieren ist selbst für Erwachsene oft schwierig.

Aber stellen Sie sich vor, Sie hätten die Rücktrittbremse auf der anderen Seite der Handbremse, am Lenker, dann bräuchten Sie nur einfach beide Handhebel ziehen und diese zu kontrollieren. Sie werden merken, das geht viel besser. Schreiben Sie einmal mit der rechten Hand eine 5 und mit der linken Hand eine 7 und vergleichen Sie!

Wenn Ihr Kind jetzt schon am Straßenverkehr teilnehmen darf, kann eine zusätzliche Rücktrittbremse nützlich sein, z. B. wenn eine Hand zur Richtungsangabe gebraucht wird und damit eine Bremse ausfällt. Anmerkung: Ein Kind kann auch schon mal im rasanten Tempo mit 25 km/h fahren. Das ist ein Tempo, wie es auch ein Mofa fährt. Wenn das passende Fahrrad jetzt Plastik-Spielzeug-Billig-Bremsen – was leider oft der Fall ist – hat, und Ihr Kind nur Kinderhände, dann möchten Sie und ich mit dem Kind nicht tauschen, oder? (Das ist der häufigste Grund für eine Rücktrittbremse – dann bremst es wenigstens ein bisschen!)

Und die Schaltung?

Ohne vernünftige Anleitung geht da nix! Ist das Bremsen erst einmal gelernt (solange geht es nur in einem Gang!), dann kann das Kind die frei werdende Konzentration auf die Schaltung lenken. Dazu suchen Sie einen Platz mit genügendem Auslauf und konzentrieren sich auf eine Seite der Schaltung, z. B. nur hinten.

 

Am besten verbinden jetzt mit der Zahlenangabe der Gänge eine passende Vorstellung der erzielbaren Wirkung .
1. Gang: der „Igel–Krabbel-Berggang“
2. Gang: der „Kaninchengang“
3. Gang: der „Spaziergang“
4. Gang: der „ich komme zu spät Gang“
5. Gang: der „Renngang“
6. Gang: der „da ist ein Hund hinter mir her Gang“

Natürlich sind Ihrer Phantasie hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist das Sie während der Fahrt dem Kind eine Entscheidungshilfe zurufen können z. B.: der Igelgang. Das Kind muss dann wissen, welches Fahrgefühl sie meinen. Verschaltet sich das Kind dabei, merkt es sehr schnell, dass das Fahrgefühl unpassender wird und die andere Drehrichtung gefragt ist.

Das der „Igel-Gang“ mal der erste und mal der zweite Gang ist, ist dabei unwichtig, denn es gilt ja einen Krabbelgang zu finden, und nicht kleine Zahlen auf unleserlichen Anzeigen! Ist die eine Seite erlernt, geht man mit der frei werdenden Konzentration an die andere Schaltung (also vorn). Das Schema der Anleitung ist dabei vergleichbar.

Ihr Thomas Just