Ich bin selbst 198 cm groß, besitze ein „Kampfgewicht“ von 110 kg und habe mein ganzes Leben Sport betrieben. Daher verfüge ich, wie Sie vielleicht auch, über eine brauchbare Muskulatur.

Früher – bevor ich anfing, mich wirklich für Räder zu interessieren – hatte ich meist ein zu kleines Rad. Das wurde mit einer besonders langen Sattelstange und hohem Lenker „ausgeglichen“. Das machte die Räder natürlich extrem instabil. So war freihändiges Fahren niemals möglich, die Fahrräder waren viel kaputt und das Fahren recht mühselig. Damals war es noch schwierig, für große und schwere Menschen passende Räder zu finden. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert.

Fahrräder für Lange

Lange Menschen haben meist nicht nur lange Beine, sondern auch lange Arme und einen langen Oberkörper. Da ist es Unsinn, irgendein Rad zu nehmen und nur den Sattel höher zu machen. Dann geht es zwar den Beinen besser, aber der Rest des Körpers leidet ab sofort noch mehr, das Rad wird weniger stabil.

Die Rahmengröße normaler Fahrräder hört oft bei 62 cm auf, was für Personen bis 190 cm Körpergröße ausreichend ist. Wer größer ist, kann auf Übergrößen-Rahmen bis 75 cm zurückgreifen. Diese übergroßen Rahmen haben insgesamt längere Rohre. So muss man die Sattelstütze nicht übermäßig herausziehen.

Ein viel wichtigeres Detail ist die Rahmenlänge, da große Menschen nicht nur lange Beine haben, sondern auch einen langen Oberkörper und lange Armen. Nur wenn der Oberkörper und die Arme ausreichend Platz haben, ist ein leistungsfähiges und angenehmes Radfahren möglich. Wenn also die Oberrohrlänge stimmt, dann ist auch der Lenker weit genug entfernt und lässt sich auf ‚angenehm‘ einstellen. So ist auch für besonders Lange eine angenehme Sitzposition und damit entspanntes Fahren möglich.

Natürlich müssen die längeren Rohre auch entsprechend stabil gebaut sein.

Im Internet finden Sie diverse Hinweise, wie Sie die in etwa von Ihnen benötigte Rahmengröße errechnen können. Diese sind aber keine seriösen Hilfen. Die sich ergebenden Werte sind immer nur eine grobe Orientierungshilfe, nach der Sie niemals ein Rad kaufen sollten! Probesitzen ist durch nichts zu ersetzen.

Sie werden es schon vermutet haben: Egal ob Mann oder Frau – wenn Sie zu den Langen gehören, bitte kein Damenrad! Es wäre zwar möglich, Sie auf ein Damenrad zu hieven, aber nur mit viel mehr Aufwand und mit deutlich schlechterem Ergebnis.

Fahrräder für Schwere

Sind Sie jetzt nur schwer und nicht besonders groß, dann haben Sie es leichter, da Ihr Rahmen kleiner sein kann. Er muss aber im Verhältnis zu normalen Rädern stärker sein. Einige Reiseräder haben – um den Transport von viel Gepäck zu ermöglichen – von Hause aus verstärkte Rahmen und weitere verstärkte Bauteile. Es ist damit durchaus möglich, mit einem Reisefahrradrahmen ein nettes Stadtrad für Sie zu bauen. Verzichten sollten Sie auf eine Federung, nicht verzichten auf verstärkte Laufräder.

Fahrräder für Lange und Schwere

Lange und schwere Menschen müssen einen Rahmen in Übergröße haben, der besonders verstärkt sein muss, damit das Rad sich beim Fahren nicht zu sehr verwindet. Ab einer Rahmenhöhe von 65 cm haben sich die Diagonalstreben besonders bewährt, die quer im Rahmen angeordnet ein Flattern bei hoher Belastung verhindert. Da sie Ihr Rad besonders belasten, muss darauf geachtet werden, dass es verstärkte Speichen und Felgen besitzt und wirklich gute Lager hat. Insgesamt sollten auch alle anderen Bauteile nicht aus „Pappe“ sein.

Darf’s noch spezieller sein?

Neben diesen ’normalen‘ Möglichkeiten, können Sie sich natürlich ein Fahrrad auf Maß bauen lassen. Dann sind den Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt und Sie können sich das Fahrrad noch exakter auf Ihre Größe anpassen zu lassen.

Fazit:

Auch für besonders lange oder schwere Personen ist es möglich, ein vernünftiges Rad zu bekommen. Sie werden in jedem Fall ein besonderes Rad fahren.

Natürlich hat ein besonderes Rad auch einen etwas höheren Preis. Aber aus Erfahrung: Wenn lange Mensche einmal ihr Rad gefunden haben, werden Sie es lange fahren und es nicht wieder verkaufen wollen – wenn es wirklich ein gescheites ist.

Wir sehen uns beim Fahrradfahren.

Ihr Thomas Just