Erfahrene Tourenfahrer können an der Sitzposition des vorausfahrenden Radsportfahrers erkennen, ob sie diesen gleich überholen oder ob es vielleicht schlau ist zu versuchen, seinen Windschatten zu nutzen.

Was kann man an der Sitzposition eines Radfahrers sehen?
Mit einiger Übung sieht man sehr schnell, ob Fahrweise und Sitzposition zusammenpassen, ob die Sitzposition ergonomisch (körpergerecht) ist. Bei einer unergonomischen Einstellung des Rades sind Leistungsverluste bis zu 50% keine Seltenheit. Da macht Radfahren gleich weniger Freude.

Um diese zu vermeiden, würden wir Sie in unserem Laden auf unseren Velochecker (Sitzpositions-Simulator) setzten – ein Werkzeug zur Ermittlung vieler Werte, die stimmen müssen, wenn ein Rad ergonomisch passen soll. Mit seiner Hilfe ist es möglich, die für Ihren Körper und Ihre Leistungsbereitschaft optimale Sitzposition zu finden und auch den dazu passenden Sattel und Lenker auszuwählen.

Für die, die vorab Ihr Fahrrad selbst einstellen wollen, folgt eine kleine Anleitung, wie es richtig geht.

Einstellung des Sattels:

Setzen Sie sich bitte auf Ihr Fahrrad und halten Sie sich mit einer Hand irgendwo fest. Ergreifen Sie mit der anderen Hand den Lenkergriff. Ein Pedal muss unten sein. Setzen Sie dann beide Füße auf die Pedale. Das ausgestreckte Bein stellen Sie mit der Ferse auf das Pedal und stellen den Sattel dann so hoch ein, dass die Ferse des durchgedrückten Beines so gerade noch die Pedale berührt. Diese Einstellung ist zwar etwas ungenau, da sie die Länge und den Einsatz des Fußes nicht berücksichtigt, bringt aber in den meisten Fällen die entscheidende Änderung der Sattelhöhe.

Stellen Sie dann – das rechte Pedal nach vorne – die Pedalarme genau waagerecht und die Füße wie beim Fahren (mit den Ballen über der Pedalachse) auf die Pedale. Verschieben Sie den Sattel jetzt so weit nach vorne oder hinten, bis in der beschriebenen Sitzposition Ihre rechte Kniescheibe exakt über der Pedalachse liegt (nehmen Sie ruhig ein Lot – Faden mit Gewicht – zur Hilfe).

Nun sind Sattelhöhe und Sattel-Tretlagerabstand eingestellt.

Einstellung des Lenkers:

Wir wissen, dass wir die maximale Kraft nur genau dann umsetzen können, wenn ein Pedal waagerecht vorne steht (dann haben wir den größten Hebel). Oben haben wir dafür gesorgt, dass dann auch das entsprechende Knie über der Pedalachse liegt. Zur maximalen Kraftentfaltung fehlt jetzt noch, dass unser Schwerpunkt genau über Knie und Pedalachse liegt, oder die Arme eine Körperspannung aufbauen können, die für einen starken Tritt oder eine starke Bremsung notwendig ist.

Bei der Einstellung des Lenkers kommt es sehr stark auf den Verwendungszweck des Fahrrades und die Trainiertheit des Fahrers an. Grundsätzlich kann man sagen: Ein stark nach vorn gebeugter Oberkörper ermöglicht kräftiges Treten auf die Pedale, bei aufrechter Haltung hat man hier weniger Kraft. Die Einstellung des Lenkers erfolgt für beide Körperhaltungen gleich: Ist der Sattel eingestellt und stehen die Pedale waagerecht, lassen Sie sich zusammensacken – entspannen Sie die Wirbelsäule, die Schultern und die Muskulatur. Aus dieser entspannten Grundhaltung spannen Sie jetzt ausschließlich die Wirbelsäulen-Muskulatur um sich aufzurichten. Alle anderen Muskeln sollten locker sein. Jetzt strecken Sie die Arme – ganz leicht angewinkelt – so aus, dass die Oberarme einen 90°-Winkel zur Brustwirbelsäule bilden. Dort wo jetzt die Ihre Hände in der Luft schweben, sollten die Lenkergriffe sein. Stellen Sie sich den Lenker jetzt so ein, dass in dieser Körperhaltung Ihre Hände ganz locker auf den Griffen ruhen.
Sollte das gar nicht passen wollen, hat Ihr Fahrradhändler andere Lenker und Vorbauten zur Hand um der gewünschten, ergonomisch richtigen Einstellung so nahe wie möglich zu kommen.

Variieren:

Da beim Fahren sehr viele Muskeln mitarbeiten, testen Sie Ihre neue Sitzposition und variieren Sie ein wenig: Markieren Sie Ihre neue Sitzposition und verändern Sie bei jeder Test-Tour eine andere Einstellung minimal. Aber immer nur eine Einstellung leicht verändern, sonst verwirrt das Ergebnis.

Achtung: Trainierte Menschen mit sehr hoher Tretdrehzahl sollten Sattel und Lenker etwas tiefer einstellen, der langsam tretende Bergbär etwas höher – ein jeder so, wie er es am bequemsten findet.

Viel Spaß beim Ausprobieren – und wenn es nicht passen will: Wir haben den Velochecker.

Ihr Thomas Just