Das Ding mit der Aufmerksamkeit

Ist bewusstes Fahren wichtig?

Hand auf`s Herz, wie fahren sie mit ihrem Fahrrad eine Kurve? Wissen sie was sie dabei tun? Wohin lenken sie eigentlich? Wie halten sie dabei ihre Hände? Auf was richten sie eigentlich ihren Blick? Sind Ihre Schultern dabei locker oder sind Ihre Arme auf den Lenker gestützt? Wo ist ihr Körper-Schwerpunkt? An welcher Stelle haben sie vor der Kurve gebremst? Haben sie dabei mehr hinten oder mehr vorne gebremst?

Fragen über Fragen tun sich plötzlich auf. Ist ihnen eigentlich bewusst, was sie beim Radfahren genau tun? Ist es überhaupt wichtig, dass sie das wissen und für was kann es nützlich sein, darauf zu achten? Um dies zu beantworten, sollten sie wissen, dass sie nur ändern können, was sie auch bewusst ausführen, oder im Umkehrschluss gesagt, dass sie in einer Notsituation nichts an Ihrem Verhalten ändern können, wenn ihnen gar nicht klar ist, was sie tun?

Es ist wichtig!

In dem Motorradfahrer-Lehrbuch: Der richtige Dreh, fragt Keith Code seine Leser dasselbe: „Wie fahren sie eine Kurve? Bitte schreiben sie auf, was für Entscheidungen sie bewusst treffen.“ So wie ich damals aufgeschrieben habe, was mir eingefallen ist, können sie das jetzt ja auch mal tun. Code schreibt, dass die meisten Leute 3-5 Worte schreiben und wenn einer 10 Worte schreiben kann, wäre das ein Zeichen für einen bewussten Fahrer (Der damalige Weltmeister schrieb eine ganze DIN-A 4 Seite für EINE Kurve!)

Ich möchte noch einen weiteren Aspekt für die Aufmerksamkeit beim Radfahren ins Spiel bringen. Sehen sie nicht auch immer mehr Radfahrer, die intensiv Musik hören oder während der Fahrt mit ihrem Handy „herumfuchteln“? Ob diese Radfahrer für die Beschreibung der nächsten Kurve auch 3 Worte zusammen bekommen würden? Ich befürchte, dass sie dies nicht könnten!!! Was wäre aber, wenn diese Leute spontan mit einer Notsituation umgehen müssten?

Um so bewusster man fährt, desto sicherer fährt man!

Ich für mich, mag am Radfahren, wie auch am Motorradfahren, dass der Fahrer umso erfolgreicher, sicherer und genießerischer unterwegs ist, je mehr er in diesem jetzigen Moment verweilen kann. Also nicht in Gedanken an einem anderen Ort oder einer anderen Zeit. Nur im Hier und Jetzt und das mit allen Sinnen. Sie wären überrascht, was man alles dabei bewusst entdecken kann. Obwohl diese Technik aus der Rennfahrerei stammt, kommt es bei der Anwendung gar nicht auf das Schneller an, obwohl es meist eine Begleiterscheinung ist. Wichtig ist nur das „gewusst wie“.

Je mehr sie sich selber beim Radfahren beobachten können und festhalten was sie tun, um so eher können sie auch beurteilen, ob das gut ist was sie machen und es gegebenenfalls auch ändern. Vielleicht erreichen sie ja, dass sie vor einer Kurve ihre Körperspannung aufbauen und ihre Körperhaltung dadurch aufrichten. Vielleicht nehmen sie auch noch den Druck vom Lenker und tun damit etwas gegen Ihre Handgelenk- und Schulterbeschwerden. Das wäre doch schon mal ein großer Schritt, denn wenn es alle paar Meter um eine Kurve geht, richten sie sich ja auch alle paar Minuten auf, trainieren so ihren Rücken und gewöhnen sich daran. Vielleicht beobachten sie auch mal die anderen Radfahrer, oder was sich an Ihrer Umwelt gerade ändert? Ganz bestimmt aber, denken sie nicht mehr an den Job und an den Ärger im Büro und kommen so bestimmt ein wenig entspannter zu Hause an.

Was hier natürlich nicht zu unterschätzen ist, ist das Fahrrad mit dem Sie unterwegs sind! Es muss zu ihrer Fahrweise passen und ihnen damit eine solche Fahrweise ermöglichen!

Wir sehen uns dann auf dem Rad!

Ihr Thomas Just