In diesem Tenor beginnen bei uns oft Verkaufsgespräche nach einem Fahrraddiebstahl. Aber dann ist es schon ein bisschen spät, für das „gewusst wie“!

Mit was für einem Schloss hätte der Fahrrad-Neukauf verhindert werden können?

Am weitestem kommt man mit einer Gegenfrage: „Wo lassen Sie Ihr Fahrrad stehen und was für ein Fahrrad haben Sie überhaupt?“. Denn der Dieb wägt ab zwischen Aufwand und Nutzen.

Grundsätzlich würde ich Schlösser in 3 Grundkategorien einteilen:

  1. Der Dieb klaut das Fahrrad wegen des Schlosses (die Mehrzahl)
  2. Der Dieb klaut das Fahrrad trotz des Schlosses (viele)
  3. Der Dieb klaut dieses Fahrrad nicht (zu wenige)

 

Kategorie 1 – Der Dieb klaut das Fahrrad wegen des Schlosses:

Das Schloss ist eine Stahlkette mit sehr einfachem Schließsystem, die Kette ist aus ungehärtetem Stahl und die Kettenglieder sind nicht verschweißt, sondern nur zugebogen. Das Schloss ist ein ist ein Stahlseil, sehr dünn oder der Übergang vom Seil zum Schloss ist nur zu gedrückt und gut erreichbar. Das Schloss ist Marke Blechspielzeug der 50er Jahre. Das Schloss ist ein Zahlenschoss ist, bei dem die Zahleneinstellung nicht von der Einrastung entkoppelt ist.
In allen diesen Fällen beglückwünscht Sie der nächste Dieb zu Ihrer preiswerten Errungenschaft – Ihrem Schloss – und bucht Ihr Fahrrad schon mal für sich.

Kategorie 2 – Der Dieb klaut das Fahrrad trotz des Schlosses:

Das Schloss ist ein am Fahrradrahmen fest verschraubtes Rundbügelschloß. Das Schloss ist nur eine Wegfahrsperre und lässt ein Anschließen des Rahmens an einen Gegenstand nicht zu.
In diesem Fall ist das Schloss ausreichend, wenn ich zum Einkaufen fahre und mein Rad in Sichtweite parke. Ansonsten wird das Fahrrad einfach weg getragen und das Schloss an einer anderen Stelle geknackt – notfalls auch mit Hilfe eines elektrischen Werkzeugs.

Kategorie 3 – Der Dieb klaut dieses Fahrrad nicht:

Das Schloss ist ein Bügel- oder Panzerkabelschloss von stabiler und gescheiter Bauart. Das Schließ-System ist aufwendig und nicht ertastbar. Das Schloss ermöglicht es, dass Sie Ihr Rad immer mit dem Rahmen an einen Gegenstand anschließen können.

Fazit:

Die Einstellung, ein Fahrrad zum Sonderpreis und ein Schloss im Ausverkauf schone den Geldbeutel, zieht meistens noch einmal das gleiche Fahrrad als Kaufabsicht (und die gleichen Kosten) nach sich. Daher ist es viel(!) billiger, sich gleich ein gescheites Schloss zu kaufen und das Fahrrad zu behalten!

… und noch mehr Prävention!

Genauso unsicher wie ein ganz schlechtes Schloss ist es, wenn Sie Ihr Fahrrad immer zur VHS-Abendschule an der gleichen Stelle abstellen oder es dem Dieb ermöglichen, es mit Schloss einfach weg zu tragen. Stellen Sie Ihr Fahrrad nie so ab, dass der Dieb genau weiß, dass Sie erst in 2 Stunden wieder da sind (z. B. direkt am Kino). Stellen Sie das Fahrrad immer so, dass der Dieb glaubt, Sie kommen gleich wieder oder Sie könnten Ihn beobachten.

Und vor allem: Schließen Sie Ihr Fahrrad an einem Laternenpfahl, einem stabilen Geländer oder etwas ähnlichem an. Und zwar mit dem Rahmen und – wenn es geht – dem Hinterrad. Ich sehe immer wieder Fahrräder, bei denen das Vorderrad mit einem Schloss gesichert ist (z. B. am Fahrradständer). Glauben die Eigentümer, es würde Mühe bereiten, ein Vorderrad loszuschrauben und den Rest des Fahrrades weg zu tragen?

Ihr Thomas Just