„Bei meinem alten Fahrrad mit Kettenschaltung ist mir immer die Kette abgesprungen, aber mit einer Nabenschaltung kommt ja keiner einen Berg rauf.“ Oft gehört, wenn es um die Wahl der Schaltung geht.

Grundlegendes

Eine Voraussetzung für angenehmes und effizientes Radfahren ist die richtige Trampel-Drehzahl der Beine. (Wenn Sie genau wissen wollen warum, lesen Sie unseren Ratgeber: „Optimale Anzahl der Pedal-Umdrehungen“).

Grundsätzlich hat die Gangschaltung die Aufgabe, die richtige Anzahl der Pedal-Umdrehungen in verschiedenen Situationen möglich zu machen. Es ist ein Unterschied, ob Sie mit 5 km/h einen Kinderhänger den Berg herauf ziehen oder ob Sie mit 50 km/h einen Berg herunter trampeln. Die Anzahl an Pedalumdrehungen sollte aber in beiden Fällen gleich sein. Damit Ihnen dies möglich ist, haben Sie an Ihrem Fahrrad eine Gangschaltung.

Diese gibt es jetzt mit vielen Gängen oder mit wenigen. Was für Sie passend ist, hängt davon ab, wie stark die Fahrbedingungen bei Ihnen variieren. Bei wenigen Gängen können Sie, grob gesagt, nur im mittleren Bereich fahren – das heißt, von ein bisschen den Hügel herauf bis ein bisschen flott geradeaus. Bei vielen Gängen haben Sie für jede Gelegenheit einen passenden Gang, egal wie stark es rauf oder ­runter geht.

Um jetzt die Gangschaltung sinnvoll einsetzen zu können, müssen Sie aber nicht nur deren Sinn verstehen, sondern auch die Anzahl der verschiedenen Gänge richtig bedienen können.

Eine weitere wichtige Rolle für die Auswahl der richtigen Gangschaltung spielt die notwendige Pflege und die Empfindlichkeit im alltäglichen Betrieb. Auch in diesem Punkt unterscheiden sich die Systeme erheblich.

 

Kettenschaltung

Wie es der Name schon sagt, wird mit der Kette geschaltet. Das bedeutet, dass Sie vorne am Tretlager ein bis drei Kettenblätter haben, am Hinterrad fünf bis zehn Zahnräder (Ritzel). Damit sind dann bis zu 30 Gänge möglich.

Bei der Kettenschaltung geht um das Verhältnis der Zähne des Kettenblattes zur Anzahl der Zähne des Ritzels.

Die Funktion ist im Prinzip einfach: Wenn Sie bei einer Umdrehung der Tret­kurbel mit dem vorderen Kettenblatt die Kette 44 Glieder weiter bewegen, dann zieht die Kette natürlich auch am Hinterrad 44 Glieder weiter. Wenn jetzt das Ritzel hinten 22 Zähne hat, dreht sich das Hinterrad genau zweimal. Hat das Ritzel aber nur 11 Zähne, dreht sich das Hinterrad viermal, Sie benötigen dann aber entsprechend mehr Kraft.

Wenn Sie eine Kettenschaltung schalten möchten, treten Sie weiter, reduzieren dabei aber den Druck auf das Pedal, und Schalten mit den Hebeln am Lenker in einen anderen Gang. Sie fühlen (und können sehen), wie die Kette durch die Schaltmechanik auf ein anderes Zahnrad geführt wird.

Voraussetzung dafür, dass dies ohne Problem funktioniert, ist, dass Kette und Mechanik gut gepflegt sind, dass die Mechanik gut eingestellt ist und dass die Qualität aller Komponenten gut ist. Hat die Mechanik nämlich die Qualität eines Kinderspielzeugs, verstellt sie sich schon durch die Benutzung. Dadurch springt die Kette öfter ab oder die Schaltung tut alles, nur nicht schalten. Eine gute Mechanik funktioniert meist sehr lange ohne Mucken, ist aber auch deutlich teurer in der Anschaffung. Was alle Kettenschaltungen übel nehmen, ist zu wenig Pflege. Regelmäßiges Putzen und Ölen gehört halt dazu.

Nabenschaltung

Man nehme eine leere Dose, schmeiße zwei Hände voll Zahnräder, Achsen, Wellen, Klinken, Federn und Kugeln hinein und schon hat man eine Nabenschaltung. So in etwa habe ich mir als kleiner Junge eine Nabenschaltung vorgestellt. Was fehlte, war noch dreimal kräftig schütteln. Dass das nicht der Wahrheit entspricht, ist klar, aber im Prinzip ist die Vorstellung nicht falsch: Alle wichtigen Schaltungs-Komponenten befinden sich schön verpackt als Getriebe in der Hinterradnabe. Diese Getriebe kann natürlich nur sehr klein sein und damit auch die dazugehörigen Bauteile.

Mehr Gänge erfordern mehr Bauteile – und zwar deutlich mehr Bauteile. Diese Bauteile werden dann immer kleiner, da die Nabe nicht beliebig wachsen kann.

Da die Schalt-Mechanik sich in der Nabe befindet, ist sie gut vor Wind und Wetter geschützt und die Kette braucht nicht (wie bei einer Kettenschaltung) zu schalten und kann ganz ohne Mechanik in einem Ketten­kasten laufen. Deshab braucht das ganze System nur wenig Pflege.

So schön eine pflegearme Schaltung ist, so begrenzt ist durch den verfügbaren Platz im Normalfall auch die Anzahl der Gänge einer Nabenschaltung und die vielen Lagerstellen kosten Sie zusätzliche Kraft beim Treten.

Wenn es eine Nabenschaltung mit vielen Gänge in mechanisch robuster Ausführung sein soll, die darüber hinaus nicht zuviel Kraft frißt, so ist auch dies möglich – aber das technische Wunderwerk ist auch fast schon eine kleine Geldanlage.

Wenn Sie eine Nabenschaltung schalten wollen, hören Sie mit dem Treten auf, schalten mit dem Schalter am Lenker in einen anderen Gang und beginnen wieder mit dem Treten. Damit ist die Bedienung sehr einfach und auch sehr leicht zu verstehen.

Fazit:

Die Kettenschaltung ist leicht laufend und hat die größte Übersetzungs-Bandbreite – ist aber pflegebedürftig.

Die Nabenschaltung ist robuster, pflegeärmer und leichter zu bedienen – hat aber weniger Gänge und erleichtert so das Radfahren nur in Grenzen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ihr Thomas Just