Mein kleiner Fahrradladen

Sicher kennen sie auch jemanden, der mit der Diagnose Burnout, seinen Arbeitsalltag verlassen muss. Schnell ist es passiert und der Verstand hat uns diktiert, wichtige körperliche Grenzen einzureißen. Es ist auch manchmal schwer, die Familie, den Partner, den Beruf, die Freunden und die eigenen Bedürfnisse immer alle im Gleichgewicht zu behalten. Dabei ist mit so einem Burnout nicht zu spaßen, da die Diagnose eine derbe Depression im Gepäck tragen kann.

„Doch wie passiert es, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse nicht mehr ernst nehmen und uns so leicht darüber hinwegsetzen“.

Überall lauern Pflichten auf uns, jeder zerrt an unserem Rockzipfel und diktiert uns seine Regeln auf. Wenn wir da nicht jeden Freiraum dafür benutzen um auch mal Zeit für uns zu behalten, haben wir schnell das Beste aufgebraucht was wir haben, uns selbst.

Es gibt aber einiges was wir tun können, um unseren Körper dabei zu Wort kommen zu lassen. Für mich gehört dabei das Fahrrad in die erste Reihe. Es zeigt mir recht deutlich, ob ich mich mit meinem Körper und mit meinem Verstand im Gleichgewicht befinde oder ob ich wieder einmal hinter mir hinterherlaufe. Hier habe ich Zeit für mich, fühle dabei, ob mein Körper sich verprügelt anfühlt oder ob ich es schaffen kann, der Pflicht einige Minuten abzuringen und den Vögeln zuhören und mich für eine Weile auf eine Bank setzen kann.

Mein Sohn Oliver und ich saßen an der neuen Version unserer Webseite. Um Olli, als angehenden Informatiker, mit seiner zukünftigen Arbeit vertraut zu machen und neue Inhalte zu produzieren, diskutierten wir über das Fahrradfahren und über unsere Kunden. Olli ergreift das Wort:
„Wenn doch deine Kunden auf einem Fahrrad dem Burnout entgehen können, müssen wir dringend darüber etwas schreiben und es auf die Web-Seite setzen. Schließlich bringt es dir Kunden in den Laden, die auf der Suche nach ein wenig mehr Körperlichkeit sind“!
Ein wenig nachdenklich lasse ich an meinem geistigen Auge die Freunde und Kunden vorüberziehen die es schon erwischt hat, als Olli weiterschimpft:
„Wenn die Arbeitszeiten jetzt noch flexibler gestaltet werden sollen, droht doch quasi jedem, dass er nur noch für die Firma da zu sein hat. Jeder hat sein Firmenhandy am Mann zu haben und hat immer gerade dann zur Verfügung zu stehen, wenn sein Chef gerade Bauchweh hat. Welche Firma, denkt noch an die Ressource Mitarbeiter? Die Meisten sind doch heute austauschbare Figuren

und diese werden doch einfach immer mehr verheizt. Für mich setzt genau da der Burnout an. Die einfachen Leute brauchen ja heute fast zwei Jobs um klar zu kommen. Da ist nicht mehr viel Zeit für die eigenen Bedürfnisse“!

So eine Phase der Überarbeitetheit macht vermutlich jeder einmal durch. Und sein wir ehrlich, eine Zeitlang geht das ja auch gut, wenn aber das Zuviel zu einer Regel oder zu einem Dauerzustand wird, enden solche Geschichten meist in einer gesundheitlichen Katastrophe. Selbst so eine geniale Konstruktion, wie der menschliche Körper, braucht regelmäßige Pflege und Aufmerksamkeit. Bekommt er diese über einen langen Zeitraum nicht, reagierte er recht empfindlich. Die vielen Menschen mit Rückenleiden, Kreislaufproblemen, Burnout, Depressionen und Stresserkrankungen sind der beste Beweis für diese These.

Um Olli für so eine Situation zu wappnen und ihm neben einem neuen Inhalt für unsere Seite, auch eine Weisheit mit auf den Weg zu geben, kramte ich in meinem Gedächtnis und mir fielen die Worte meines alten Kampfsport-Trainers wieder ein:

„Weist du Olli, das ist alles eine Frage des Gleichgewichts. Hast du deine Anstrengungen und Erholungsphasen im Griff, ist alles in Ordnung. Im Prinzip ist das wie beim Fahrradfahren, es geht den Berg hoch und es ist mühsam, doch es wird und muss auch wieder entspannt abwärts gehen. Doch bedenke: Willst du einen Gegner besiegen, so nimm ihm zuerst sein Gleichgewicht. Denn wenn er dieses verloren hat, ist er nur noch mit sich selber beschäftigt und damit praktisch wehrlos. Danach ist er leicht zu besiegen. Doch pass auf, dass du dabei nicht selbst aus dem Gleichgewicht kommst, sonst bist du schneller das Opfer, als dir lieb ist und der Übergang dabei ist fließend“.

Olli, der solche Ansprachen gewöhnt war, unterbrach die Arbeit und dachte nach:

„Das GLEICHGEWICHT…?!

Was ist das, wenn man es genauer auseinander nimmt? Denn außer, dass man ohne auf`s Maul fällt, fallen mir bei Gleichgewicht noch einige andere Begriffe ein:
„Das Gleichgewicht der Kräfte, das politische Gleichgewicht, das Gleichgewicht auf dem Fahrrad halten, im Gleichgewicht stehen, das finanzielle Gleichgewicht halten, mit der Zeit im Gleichgewicht sein oder das technische Gleichgewicht. Alle Bezeichnungen beschreiben einen ausgeglichenen Zustand aber ist das Gleichgewicht wirklich immer so wichtig“?

Ich dachte einen Moment nach und mir viel eine passende Filmszene ein:
„In dem Film Karate Kid sagt der alte Trainer Mr. Miyagi zu seinem Schüler:
Hast du Gleichgewicht, machst du gutes Karate! Das ist wichtig für Vieles! Nein, das ist wichtig für alles im Leben“!

 

Doch wie geht es ihnen? Haben sie immer alles im Gleichgewicht? Dabei denke ich auch an das finanzielle, an das körperliche, an Arbeit und Erholung oder an ihre Familie. Versuchen sie es zumindest zu erreichen? Stellen sie sich auch immer wieder dem Versuch es zu erringen? Ist uns allen klar, dass wir mit dem Bemühen immer besser werden, aber das absolute Gleichgewicht vermutlich nie erreichen werden? Und doch ist es so unglaublich wichtig, immer wieder daran zu arbeiten. Die Natur macht uns gerade vor, wie es ist, wenn man aus dem Gleichgewicht gerät.

Um sie im Gleichgewicht zu schulen, ist das Fahrrad ein hervorragendes Trainingsgerät. Zuerst einmal brauchen sie Gleichgewicht um überhaupt Fahren zu können. Dann müssen sie bei jeder Fahraktion wie Bremsen oder um eine Kurve lenken, ihr Gleichgewicht immer wieder neu ausloten. Sie sollten auch mit ihrer Atmung und mit ihrer Anstrengung im Gleichgewicht sein. Auch sollten sie Muskelspannung und lockeres Lenken im Gleichgewicht haben. Oder mit dem was sie bei sich fühlen oder was um sie herum passiert. Auch sollte sie im Gleichgewicht haben, wie viel Wärme sie gerade produzieren, wie viel Zeit ihnen für den Weg zur Arbeit noch bleibt und wieweit sie die Jacke öffnen um nicht geschwitzt auf der Firma zu erscheinen.

Sie sehen, bei einem Fahrrad dreht sich alles ums Gleichgewicht. Das Fahrrad macht es ihnen dabei sehr einfach deutlich, ob sie es gerade haben, oder wie sie es erlangen können. Sie fühlen, wenn sie im Gleichgewicht sind. Aber, wissen sie eigentlich wie sie ihr Gleichgewicht auf dem Fahrrad halten?

Ich vermute ja mal, dass sie es nicht genau wissen und doch können sie Fahrrad fahren. Und schon wieder haben wir ein Gleichgewicht, nämlich das, was sie unterbewusst und was sie bewusst machen.

Und, wie geht das jetzt mit dem Gleichgewicht halten auf dem Fahrrad?

Es geht um ihr Gewicht. Um dieses Gewicht ganz fein, immer mal mehr rechts und mal mehr links wirken zu lassen, sollten sie mit einer leichten Körperspannung auf dem Fahrrad sitzen und fein dosiert, immer dorthin lenken wo sie gerade hinkippen. Durch das Lenken wird der Aufstandspunkt des Reifens genau dorthin verschoben, wo sie gerade hinlenken. Da ihr Körpergewicht aber an derselben Stelle wie vorher ist, haben sie jetzt mehr Gewichtsanteil auf der anderen Seite wo sie nicht hingelenkt haben. Folglich kippen sie in diese Richtung. Wenn sie jetzt dadurch das Gleichgewicht in die andere Richtung verlieren, so lenken sie halt mehr oder minder entschlossen in diese Richtung. Natürlich können sie auch ihren Körperschwerpunkt verschieben, in dem sie sich dosiert in die richtige Richtung bewegen. Da diese Aktion aber recht grob abläuft ist die Sache mit dem Lenken einfacher und doch sollten sie recht feinfühlig „zum Lenker greifen“!

Wenn ich mir jetzt aber ansehe, wie manche Figuren auf dem Fahrrad sitzen, wie sie den Lenker festhalten oder darauf Liegstützen machen, wie sie oftmals wie ein sprichwörtlicher nasser Sack darüber gelegt scheinen, wundert es mich, dass nicht noch mehr Unfälle mit Fahrradbeteiligung passieren. Da ist von echtem Gleichgewicht nicht viel zu sehen. Oft sitzen die Fahrer so auf dem Fahrrad, dass sie ihre Sicherheit in einer Notsituation nicht wieder erlangen könnten. Bitte bedenken sie, wenn sie ohne Körperspannung oder wenn sie verkrampft auf dem Fahrrad sitzen, sind sie im Ernstfall nicht mehr handlungsfähig. Und ohne Handlungsfähigkeit werden sie auch mit ihrem Gleichgewicht nicht mehr sehr weit kommen.

Dass das so ist, liegt natürlich auch daran, dass wir so wenig über das Fahrrad, die eigene ideale Sitzposition oder die körperideale Benutzung wissen. Kein Mensch käme auf die Idee in seinen Sportwagen einen Gartenstuhl als Fahrersitz zu montieren. Jedem engagierten Autofahrer ist sofort klar, dass er augenblicklich jedes Gefühls für das Auto beraubt wäre. Er würde nichts mehr davon mitbekommen, was das Auto auf der Straße gerade anstellt. Im Umkehrschluss ist ein guter, passender und ideal montierter Autositz eine Bereicherung für jedes Auto und vermutlich gewinnbringender für ihr Sportwagenfeeling als ein Satz breitere Reifen.
Und ihr Fahrrad? Stand so beim Händler! Haben sie sich einfach mal mitgenommen?

Sie wissen eigentlich überhaupt nicht, was sie so alles auf dem Fahrrad treiben oder was für sie bei einem Fahrrad wichtig ist. Sie wissen über ihrer Fahrposition vermutlich eben so wenig, wie darüber, wie sie sich mit einem Fahrrad effizient fortbewegen. Aber sie haben sich mal eines mitgebracht, weil es so hübsch anzusehen war. Ist das nicht vergleichbar mit dem Gartenstuhl in ihrem Sportwagen?

 

Der Schlüssel zu ihrem perfekten Fahrvergnügen und zu der Idee von Gleichgewicht auf einem Fahrrad heißt Ergonomie. Um diesen schwammigen Begriff Ergonomie etwas näher zu kommen, durchleuchten wir ihn erst einmal genauer. So sind zum Beispiel ergonomische Fahrrad-Lenkergriffe, an eine Schubkarre montiert, extrem unergonomisch!

Der Begriff Ergonomie beschreibt:
„Das Ziel der Ergonomie, ist eine optimale Anpassung einer Arbeitsumgebung an den Menschen“

Dieser wird unter besseren Bedingungen immer bessere Arbeitsergebnisse erzielen, weniger ermüden und länger arbeitsfähig bleibt. Ergonomie wurde ursprünglich entwickelt, um den Profit von Unternehmen zu maximieren. Ergonomie will Leistungssteigerung, aber auch auf einen langen Zeitraum gesehen und dient so, nebenbei unserer Gesundheit. Ergonomisch kann immer nur im Zusammenhang mit einem bestimmten Menschen stehen. Für einen Computerarbeitsplatz gelten bestimmte, wissenschaftlich erforschte Regeln. Diese Regeln sollen ein effizientes, ermüdungsarmes und Körper schonendes Arbeiten ermöglichen. Dazu ist das Einhalten bestimmter Maße und Winkel unabdingbar. Ein Computer-Arbeitsplatz kann also für den einem Menschen ergonomisch richtig sein, für den nächsten aber ergonomisch falsch. Große Menschen benötigen andere Dinge als kleine Menschen, Gesunde andere als Kranke.
Ergonomie fragt nach den Vorgaben durch den Benutzer und passt das Arbeitsgerät diesen Bedingungen an. In der Werbung für ein Massen-Produkt ist der Begriff ‚ergonomisch‘ deshalb vollkommen unangebracht. Wäre das Fahrrad ein Teil eines Produktionsprozesses, so wäre auch hier die Einhaltung ergonomischer Regeln längst vorgeschrieben.

Bezogen auf das Fahrrad ist entscheidend, dass die Berührungspunkte zwischen Fahrrad und Fahrer nach ergonomischen Gesichtspunkten passen. Das ist aber längst nicht alles. Die ergonomische Anpassung eines Fahrrades muss auch Körperbau, Leistungswillen, Leistungsfähigkeit, motorische Intelligenz und die bevorzugte Fahrstrecke des Fahrers berücksichtigen. Die Frage, ob der Fahrradfahrer groß oder klein, leicht oder schwer ist, darf sich dabei nicht nur in der Stabilität des Fahrrades widerspiegeln. Die Frage, wo und wie man ein Fahrrad benutzen möchte, kann zu ganz unterschiedlichen Fahrrädern führen.

Ein ergonomisch passendes Fahrrad schützt sie nicht nur vor gesundheitlichen Schäden durch falsche körperliche Belastung. (Die meisten Radfahrer klagen über Nacken, Schulter-, Rücken-, Gesäß oder Gelenkprobleme bei längeren Fahrten.) Ein ergonomisch passendes Fahrrad kann Ihnen bei körperlichen Gebrechen, trotz dieser Einschränkung zu entspanntem Radfahren verhelfen. Es bietet mehr Komfort, ermöglicht mehr Leistung und führt so zu mehr Freude am Radfahren.

„Sie sehen, es geht schon wieder um ein Gleichgewicht, diesmal zwischen der Anstrengung der einzelnen Muskeln. Wenn sie alle miteinander arbeiten, ist alles besser zu ertragen als wenn wenige Muskeln, alles leisten müssen“.

Wollen Sie mit Ihrem Fahrrad bummeln, so muss Ihre Sitzposition ohne große Körperspannung auskommen, die Beine werden kein großes Drehmoment erzeugen wollen und sie werden ihren Ergonomie-Vorteil bei „Halbgas“ ausspielen. Radrennfahrer dagegen fahren immer mit vollem Leistungseinsatz und benötigen dafür auch eine andere Körperspannung. Um diese zu erreichen brauchen sie dafür aber eine ganz andere Sitzposition.

Je nach ihrer Vorstellung von Fahrweise, Fahrstrecke, tatsächlichen Fähigkeiten, ihrer Körperlichkeit und Ihrer bevorzugten Körperhaltung auf Ihrem Fahrrad, dreht sich alles um die Position von Sattel, Lenker und Tretlager. Genauer gesagt, geht es um Sattelhöhe, Sattelform, Sattelneigung, Sitzwinkel, Lenkerhöhe, Lenkerbreite, Oberrohrlänge, Tretlagerhöhe, Kurbellänge, und um die Handgriffposition. Wenn sie mit diesen Maßen ihre persönlichen Vorlieben treffen, kommt eine ergonomische Balance ins Spiel und plötzlich fühlt sich Bewegung stimmig an.

Mein Sohn hatte mir bis hierhin zugehört. Unsere neue Webseite spielte immer weniger eine Rolle und wir erzählten angeregt miteinander:

„Du Papa, wie bist du eigentlich zur Fahrrad-Ergonomie gekommen? Das ist doch kein Lehrfach, welches man einfach so in der Schule belegen kann“.

„Tja Olli, das ist ja die Krux, es gibt sie genau genommen gar nicht, die allgemein gültige Fahrrad-Ergonomie. Zehn Fachleute haben zwölf Meinungen, jeder Dritte an der Ecke bietet seine Dienste an, macht Bikefitting und fährt vielleicht selbst gar kein Fahrrad. Da die Endverbraucher nie danach fragen, wird es für viele auch keine vernünftigen Antworten geben. Sogar die Uni`s und die Profistudios widersprechen sich zum Teil. Ich bin an meine Theorie zur Fahrrad-Ergonomie über ganz seltsame Umwege gestoßen“.

Ähnlich, wie die meisten meiner Kollegen heute noch, habe ich vor 20Jahren auch Fahrräder probegefahren und festgestellt, dass mache Modelle schnell und andere Modelle langsam fahren. Die Antwort lag für mich damals so klar auf der Hand, wie meine Kollegen es heute noch verkaufen.

„Es sind die besseren Lager, der Rahmen ist aus dem neuen Supermaterial und das Fahrrad ist nur 10Kg schwer! Deshalb rennt das Ding so“!

Ich witterte aber damals schon, dass das nur die halbe Wahrheit sein konnte. An der ersten Hälfte „meiner Erleuchtung“ war mein 80Jahre alter Kampfsport-Trainer beteiligt. Dieser war in seinem Können so weit, dass er beim Kämpfen die Muskeln eigentlich nur noch als Steuerorgan benutzte. Dieser Trainer hatte uns über Jahre vor Augen geführt, welche Körper-Winkel möglich sind und welche zu schmerzhaften Zwangshaltungen werden. Wir Schüler lernten auch, dass die richtigen Körperwinkel zueinander und das Einhalten und Bewegen aller Winkel zugleich, den entscheidenden Vorteil bringt. Es galt, bei dem Gegner zu sehen, welcher Körperwinkel bei ihm gerade unpassend ist, wie er in diesem Moment sein Gleichgewicht hält und was sich als Ziel eines Angriffs eignet.
Um dabei aber nicht selbst zum Opfer zu werden, galt es ständig mit der größtmöglichen Körperspannung, voll handlungsfähig, locker und geschmeidig zu sein.
Ich fühlte förmlich, dass die Balance der Körperwinkel eine Rolle spielen musste. Ich konnte aber den Faden, wie das fürs Fahrradfahren nützlich sein soll, noch nicht zu Ende spinnen.

Der zweite Teil der Wahrheit war ein Erlebnis auf einem Motorfahrer-Lehrgang. Wir fuhren mit „dicken Maschinen“ und waren auch schon sehr erfahren und damit auch sehr schnell unterwegs. Dann fuhren auf der Nachbarstrecke kleine 125cm³ Renn-Maschinchen. Die Fahrer trainierten für die Deutschen Meisterschaften. Jung und überheblich wie ich damals war, sagte ich zu meinem Lehrer:
„Mit denen möchte ich mal ein paar Runden drehen. Da würden die aber schlecht bei aussehen“!
Das herzhafte Lachen meines Lehrers habe ich noch bis heute in den Ohren.
„Thomas……., da könntest DU dir alles kaufen was es für Geld zu kaufen gibt und ein Nummernschild tragen kann, denen würdest Du keine halbe Runde folgen können! Die sind so schnell, die hättest du nach ein paar hundert Metern aus den Augen verloren“!

Das Gefühl in meinem Kopf sagte mir, dass das die 2.Hälfte der fehlenden Wahrheit war, denn ich hatte bestimmt doppelt so viel Motorleistung, wie diese kleinen Motorrädchen. Wenn ich herausbekommen würde, warum jemand mit der Hälfte der Motorleistung um so vieles schneller sein kann, dann könnte ich diese Erkenntnis auch auf das Fahrradfahren übertragen. Was zeichnete diese kleinen Motorrädchen aus, was war ihre ganz spezielle Eigenheit und ist ein kleiner, drahtiger Radfahrer im Prinzip das gleiche? Wenn ja, dann müsste es möglich sein, ihm ein Fahrrad zu bauen mit dem er „alles in Schutt und Asche legen“ könnte. Doch was war mit mir? Wer war ich dazu im Gegensatz?  Ich bin zwei Meter groß, wiege 110kg und habe Muskeln wie ein Traktor. Wie musste dann mein Fahrrad aussehen? Doch konnte ich auch diesen Faden nicht zu Ende spinnen, denn wer würde mir experimentell ein Fahrrad bauen und welche Maße und Eigenheiten müsste es dann haben?
Aber ich war so dicht dran!

 

Ein paar Jahre, und ein paar graue Haare später, baute mein Lieblings-Fahrrad-Hersteller einen Fahrrad-Simulator, um spezielle Fahrradmaße und Sitzpositionen darstellen zu können. Das Ding stand schnell in meinem Laden. Doch was sollte ich damit genau machen? Es war wie ein Hometrainer ohne Tretwiderstand. Sicherlich ließ es sich in alle Richtungen verstellen, aber wie konnte es mir bei meiner Suche helfen. Was verändert sich, wenn ein Rahmen einen andern Sitzwinkel bekommt oder 3cm länger wird? Was verändert das für den Fahrer und dessen Sitzposition? Ich experimentierte damit, merkte aber auch, dass dieses Teil so nicht fertig gedacht war. Es fehlte ein Leistungsvergleich. Vielleicht würde das Fahrrad mit einem längeren Rahmen ja leichter fahren? Aber warum?

Anlässlich einer Hausmesse übte ich Kritik:
„Das Gerät braucht einen verstellbaren Tretwiderstand“!
Der Hersteller hörte mir konzentriert zu und erklärte mir, dass heute Nachmittag ein Lehrgang veranstaltete würde und dazu lud er mich jetzt herzlich ein. Auf diesem Lehrgang wird ein Simulator mit einem Tretwiderstand vorgestellt und ich dürfte ihn als Testkunde gleich ausprobieren.

Bei dem Workshop Kopf leuchtete in meinem Kopf regelrecht ein Gewitter. Ich durfte selbst auf den Simulator in die Pedale treten und körperlich erfahren, wie sich die Veränderung anfühlt. Ich konnte das Gleichgewicht zwischen meiner Muskelspannung, den Körperwinkel und einer effizienten körperlichen Leistung förmlich fühlen. Es viel mir wie Schuppen von den Augen. So passten also die Körperwinkel, die idealen Bewegungen, die Länge der Muskeln und deren Kraft, auf dem Fahrrad zusammen. Auf einmal konnte ich den Zusammenhang vor meinen Augen sehen. Ich bin, in dem Motorradvergleich von eben, ein 150PS Drehmomentmonster. Um dieses Drehmoment einbringen zu können, zwingen mich meine Körperwinkel zu einer großen Sitzlänge und extra langen Tretkurbeln. Diese Position erfordert aber auch eine große motorische Leistung meines Rückens, da ich trotz dieser Sitzlänge den Lenker fast freihändig führen sollte. An diesem Fahrrad darf dann die Lenkung ruhig knackig sein, da der lange Radstand jede Wendigkeit eigentlich unterbindet. Der Rahmen sollte aber auch endlos steif sein, damit möglichst wenig von der erzeugten Leistung verloren geht. Dieses Fahrrad würde lang, schwer, unhandlich, vertraut stabil werden, aber wehe, wenn ich meine Kraft einsetzen kann und es gerade aus geht.

Des weitern lernte ich bei diesem Lehrgang eine kleine streitlüsterne Kollegin aus Frankfurt kennen. Sie war nur 160cm groß und war mit dem gleichen Gesichtsausdruck unterwegs wie ich. Sie wollte ein Fahrrad für ihre kleinen Fahrer entwickeln. Ich gesellte mich zu ihr und hörte ihr zu:
„Kurz muss es sein! Das Tretlager muss tief liegen, damit der Gesamtschwerpunkt runter kommt, kurze Kurbeln muss es haben und kleinere Räder, damit die Sitzlänge nicht so lang sein muss“!
Ich mischte mich in ihren Gedankengang ein:
„Leicht muss es sein, die Reifen müssen superleicht rollen und der Lenker muss schmal sein“!
Die Kollegin drehte sich um und lachte mich an. So lernte ich Janice aus Frankfurt kennen. Sie hatte es erfasst, genau so würde das Fahrrad wie eine 125er sein, klein, leicht, gierig, wendig und extrem Berg- und Kurventauglich. Ja, so einem Fahrer wollte ich dann auf einer sehr kurvigen Berg und Tal Strecke nicht zum Spaßgegener haben wollen.

Mein Lieblings-Fahrrad-Hersteller blieb natürlich von so viel Begeisterung nicht unberührt. Er sagte uns zu, jedes mögliche Fahrrad für uns auf Maß zu bauen. Ab da startete meine Karriere als Fahrrad-Maß-Händler.

Diese Fahrräder sind übrigens wirklich gebaut worden. Beide stehen heute in meinem Laden. Das Janice Fahrrad heißt ganz typisch –Petite- und mein Fahrrad steht daneben. Gebaut worden ist es unter dem Projektnamen –Thomasseins- und hat mit der Modellbezeichnung Speedster und einem zusätzlichen E-Antrieb auf dem Nürburgring, professionelle Radrennfahrer das fürchten gelehrt.

 

Einer der Höhepunkte in meiner Karriere als Fahrrad-Maß-Händler war an einem Tag, als eine 152cm große und 42kg schwere Frau ein solches Fahrrad von mir haben wollte. Stolz und ohne Zweifel arbeiteten wir gemeinsam an ihrem Fahrrad. Wie sie es dann abholte, mussten wir zusammen eine gemeinsame Runde in den Asphalt brennen.
„Man, war die schnell!!“
Natürlich machten wir auch ein gemeinsames Photo und stellten es in unserer Galerie aus. Ich sag ihnen, es war ein riesen Spaß, dieser kleinen Dame zu so einem Feger zu verhelfen. Ich möchte wetten, dass so manch ein Radfahrer nicht schlecht gestaunt hat und einfach hinter ihr bleiben musste, obwohl er sie vermutlich für ein Kind gehalten haben muss.

 

In der Folgezeit habe ich mir auch einige Vorträge zu dem Thema angehört. Dabei waren Ärzte, Marketingprofis, Sportwissenschaftler und Geldzähler. Einer der Ärzte wusste zwar alles über den Körper und war auch Körper schonender unterwegs, aber die Fahrer verloren dabei so viel Leistung oder mussten ihre Fahrtechnik so stark umstellen, dass es vorstellbar war, dass diese ganz mit dem Radfahren aufhören. Oder der Marketingprofi, der auch einen Doktortitel hatte, der uns erklärte, dass der Kunde alles so haben könne, was er als gut empfindet, inklusive technischen Blödsinns.

Aus alldem habe ich schließlich einen eigenen Stil kreiert. Ein Stil, bei dem der Kunde lernen muss, den Lenker mit oder auch trotz der Körperspannung lose zu führen. Mit einer Sitzposition, die ihm auch genau das ermöglicht, in dem er mit den richtigen Körperwinkeln, angenehm Leistung erbringen kann und dabei in der Lage sein soll, sein körperliches Gleichgewicht immer fein zu steuern.

 

Oliver hörte mir immer noch gespannt zu.
„Wenn ich so an unsere Webseite denke…., sollten wir nicht etwas darüber schreiben? Was bedeutet das Ganze für deine Kunden und wie gehst du genau vor? Was muss ich mir darunter vorstellen? Und mal ganz banal, was bringt das wirklich?
Ich schaute Oliver ernst in die Augen:
„Du willst dich vor der Arbeit drücken?!“
„NEIN! Aber was nützen dir die besten Leistungen, wenn keiner etwas darüber weiß“?
„Auch war“!

Zuerst einmal habe ich vermutlich einen entscheidenden Unterschied in meinem Kopf. Ich verstehe mich als einen technischen Berater. Ich erkläre meinen Kunden, ich wäre jetzt quasi ihr Renningenieur. Dabei bin ich ja gar kein Ingenieur, aber so wie Michael Schumacher immer mit seinen Renningenieur verbunden war, um sich bei ihm Rat zu holen, so möchte ich der Berater meiner Kunden sein. Herr Schumacher baut sich sein Auto ja auch nicht selber. Er fährt und registriert dabei alles um sich herum. Dabei fühlt er natürlich auch sein Auto. Dann erzählt er seinem Renningenieur mit seinem Vokabular die Eindrücke. Der kennt seinen Fahrer und kann verstehen, was er sagt. Doch er versteht auch den Fahrzeug-Hersteller und weiß, was dieser denkt und was der ändern kann. Dann wird er zwischen den Beiden vermitteln. Ich stelle mir das immer so vor: Michael Schumacher trainiert mit seinem Rennwagen und soll ihn für das Rennen abstimmen. Während er fährt, fällt ihm etwas auf und er meldet sich über Funk bei seiner Box:
„Hol mal Ross Brawn ans Mikro!“
„Ja Micheal, hier ist Ross, was ist los!“
„Du, das Ding nuckt immer, wenn ich rechtsrum aufs Gas gehe, fühlt sich unsicher an.“
„Macht er das auch beim Bremsen“?
„Nö! Eigentlich nur beim Lenken und Gasgeben“.

„Gib mal Gas und gehe dabei gleichzeitig leicht auf die Bremse. Dann fahr mal leichte Schlangenlinien!“
„Dann ist es besser“!
„Oh ja, fahr erst einmal weiter! Da ist vermutlich was an der oberen Aufhängung. Nix schlimmes! Ich kümmere mich darum“!
„Danke! Michael Ende“!

So in etwa stelle ich mir das Verhältnis zu meinen Kunden vor. Ich will ihr Fahrrad-Flüsterer sein. Ich verstehe viel über das Fahrradfahren, ich verstehe extrem viel von Fahrrädern und ich verstehe viel von der Körperlichkeit des Fahrers. Ich möchte zwischen den Konstrukteuren der Fahrradhersteller und dem Fahrer vermitteln. Denn schließlich ist Herr Schumacher mit seinem Formel1 zwar Weltmeister gewesen, aber er wäre mit diesem Auto im Stadtverkehr, auf dem Weg zum Dienst, auch definitiv LETZTER geworden. Genauso wenig ist ein Hollandrad zum Radreisen geeignet.
Olli schaute mich grübelnd an:
„Wie muss ich mir denn so eine Beratung vorstellen“?

„Also, wenn es zu einer Fahrradberatung kommt, frage ich zuerst meinen Kunden aus:

„Wer sind sie, was wollen sie mit ihrem neuen Fahrrad anfangen, was haben sie mit ihrem alten Fahrrad bisher gemacht und was soll jetzt anders werden und warum“?

So mache ich mir ein Bild von dem Kunden und seiner Art mit dem Fahrrad umzugehen. Dabei schaue ich mir auch seine Bewegungen an und stelle mir vor, was ich denken würde, wenn er mir auf der Matte begegnen würde. Mit all diesen Eindrücken mache ich mir dann ein Benutzungsprofil im Kopf.
Als nächstes erzähle ich ihm etwas über meine Fahrräder. Recht schnell setze ich ihn auf eines und lasse ihn damit probefahren. Dabei fährt er eigentlich, damit ich mir ein Bild machen kann, was seine Motorik, sein Fahrstil und sein Body so hergeben. Zusammen mit dem Benutzungsprofil, weiß ich dann schon meist „wo ihn der Schuh drückt“. Ich schaue mir die typischen Körperwinkel an und beurteile, wie weit sie für den Fahrer angenehm oder aufgezwungen wirken. Dann stelle ich das Fahrrad danach ein und gebe einige Fahr- und Motorik-Tips. Dabei versuche ich seinen Fahrstil weiter zu entwickeln. So erlebe ich viele Radfahrer, die fast eine Liegestütze auf dem Lenker vollbringen und kaum in der Lage sind, auf dem Bürgersteig zu wenden. Wenn man diesen Leuten zeigt, wie leicht und sicher es sich anfühlt, wenn der Rücken Körperspannung aufbaut und damit die Schultern und Arme zu Lenken freigibt, sind sie meist erstaunt und fühlen, um wie viel besser das funktioniert.
So sorge ich dafür, dass der Radfahrer die Körperhaltung einnehmen möchte, in der er angenehm, aber kontrolliert funktioniert. Danach sehe ich das fertige Fahrrad meist schon vor mir. Ich kann die von dem Kunden geäußerten Wünsche verstehen, sehe wie sein Körper darauf reagiert, sehe wie er Fahrrad fahren kann und kann dann die richtigen Körperwinkel in mein Phantasiebild einzeichnen und bekomme so eine Vorstellung, was der Radfahrer für sich wünscht.
Um ihm noch mehr Auswahl anzubieten, kann er noch mehrere Grundmodelle fahren und so noch mehr verschiedene Fahrverhalten auszuprobieren. Danach kommt er auf den Fahrradsimulator.
Ich richte das Gerät entweder auf sein altes Fahrrad oder auf das Fahrrad ein, welches er am idealsten fand. Dann stelle ich einen leichten Bremswiderstand ein und lasse ihn trampeln. Das Treten sollte ihm aber schon ein wenig Mühe bereiten. Dabei schaue ich mir die entscheidenden Körperpartien und Körperwinkel an.

„Wie ist der Kniewinkel? Was macht das Fußgelenk? An welcher Stelle der Pedale, ist das Knielot? Wie sieht der Rücken aus? Ist die Lordose noch vorhanden? Passt der Schulter-Arm Winkel? Ist die Schulter hoch gedrückt? Wie sind die Arme? Was ist mit dem Handgelenk und der Handhaltung? Wie abgeknickt ist der Hals“?

Der Radfahrer prägt sich den Bremswiderstand ein und übt ständig Kritik an der Sitzposition. Dann verändere ich die Einstellungen so, dass sich die Körperwinkel in gewünschter Weise verändern. Der Radfahrer merkt dabei, dass sich mit jeder Verbesserung der Bremswiderstand zu verändern scheint. Das ist aber nicht wahr, denn der Bremswiderstand bleibt gleich oder wird sogar noch höher gestellt um die Veränderungen besser sichtbar zu machen.
Wenn die Sitzposition steht, gehen wir noch einmal auf die motorischen Tricks ein.
„Könnten sie einen Ball fangen, ohne sich dabei nach vorne abzurollen? Gibt die Körperspannung das her? Wenn nicht, müssen wir sie etwas aufrechter hinsetzen“.
Dabei ist es natürlich klar, dass ein Balletttänzer anders mit seinem Körper umgehen kann, als ein Sofaheld. Da aber beide mit dem vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte auf dem Simulator sitzen, kann man für jeden die körperlich angenehmste Sitzposition finden. Aber für alle geht es darum, mit möglichst wenig Aufwand, den meisten Vorwärts-Antrieb zu erreichen. Der Eine will und muss halt aufrechter sitzen um eine lange Strecke angenehm leicht fahren zu können und der Andere kann halt weiter vorgebeugt sitzen und wird daher immer schneller sein. Doch wenn beide 5 Stunden mit ihrem Fahrrad fahren sollen, werden beide nicht tauschen wollen. Dem Einen ist das zu kraftlos und dem Anderen viel zu gestreckt und sportlich.
Ideal ist es, wenn die körperlichen Fähigkeiten, das motorische Können, die technische Ausstattung und Fertigung des Fahrrades, mit der Sitzposition im Gleichgewicht sind. Wenn das Fahrrad sie zu unterstützen scheint, sie anständig vorwärts kommen, es ihnen dient und sie sich in den brenzligsten Situationen voll handlungsfähig erweisen, dann ist für sie die Ergonomie im Gleichgewicht.

Olli schaute mich ein wenig verwirrt an.

„Und du fragst, was das wirklich bringt…..? Die Dinger sind einfach meist grenzwertig schnell, ohne dass jemand sieht, wieso und warum. Es ist in etwa so, als würde dir auf deiner Motorradtour, eine kleine 125er Rennmaschine begegnen und du fragst dich, wie der Fahrer das angestellt hat, so unauffällig, so unglaublich schnell zu sein!“

„Ist es dir eigentlich immer gelungen das richtige Maß zutreffen“?

„Immer…., immer ist so ein verdammt großes Wort. Ich habe viele hundert Fahrräder so auf Maß entworfen. Dabei waren Große und Kleine, Dicke und Dünne, Einarmige und Einbeinige, Alte und Junge, Sportler und Gemütliche. Und ich habe die Radfahrer erlebt, wie sie mit den Fahrrädern gefahren sind und wie es in der Realität funktioniert hat. Für die meisten Besitzer haben diese Fahrräder einen unglaublichen Wert. Viele unserer Kunden haben, wie du an den Bildern in der Beratungsecke sehen kannst, mit diesen Fahrrädern sehr weite Reisen unternommen.  Aber alle lieben sie ihre Fahrräder und oft haben wir es geschafft, bestehende Schwierigkeiten wieder ins Gleichgewicht zu bringen“.

Olli schaute mich plötzlich nachdenklich an:

„Wenn deine Kunden diese Begeisterung für Fahrräder mit nach Hause nehmen können, wenn sie damit mehr Spaß und einen Grund haben, der sie morgens auf dem Weg zur Arbeit in die Garage treibt, um mit einem fetten Grinsen das Fahrrad zu entern und den Weg zur Arbeit zu einem tollen Zeitabschnitt werden lässt, dann ist das doch ein wichtiger Schritt gegen einen Burnout oder?
Warum schreibst du nicht etwas darüber“?

Ich dachte laut nach und zitierte einen Vers, den ich vor Jahren einmal über dieses Problem geschrieben habe:

„Burnout:
Wer vermag es zu sagen, wer wichtig ist,
wer ist jemand wirklich,
wer ist er für sich allein,
wer ist er für die Gesellschaft und wer ist er für mich?

was muss er tun, um zufrieden zu sein
was darf er erwarten von den Anderen
was erhofft er sich von seiner Freundesschar
was will er für sich selbst?

wann ist mal Zeit für mich,
wann ist mal jemand für mich da,
wann darf ich mich zurücklehnen,
wann kommt endlich meine Weisheit?

Du bist auf jeden Fall der Mittelpunkt Deines Lebens,
Du bist auch Wichtig für Deine Freunde,
Du magst manchmal leiden, aber Du bist unverzichtbar,
Du bist es, der Dein Leben gestaltet!

Nimm Dein Leben in die Hand und laufe los,
trau Dich Sachen zu tun, die dich ängstigen,
begehe neue Wege und ziehe ein neues Leben an,
lerne wer Du wirklich bist, denn das Leben ist schön!“

„WOW Papa, echt nicht schlecht! Du solltest wirklich etwas darüber schreiben“!
„….Und wenn ich versuche ein Buch darüber zu schreiben? So quasi als Anleitung für die Kunden“?
Olli antwortete ungefragt:
„Aber, wenn bis dahin unsere Webseite keine Fortschritte macht, werden wir dann keine Kunden mehr haben“.

„Ja, hab ich ja verstanden! Aber ich hab ja nicht angefangen zu erzählen“!

Beide lachten wir.

Kapitel 10
Kapitel 12