Ich muss nicht nach Santiago

Tag 6: Dümmersee – Hartenbergsee

Das Land der Maiskolben und  Lineal-Straßen

 

oder wie eine Köchin zum Lebensretter wird.

Der Dümmersee und sein Sonnenuntergang, hatten uns auch noch im Traum noch begleitet. Es war ein Flair wie auf einer Ferieninsel an der Promenade. Viele kleine Ferienhäuser und Menschen, die der brütenden Hitze, laut planschend, entfliehen.

Der Campingplatz,  den wir in letzter Minute gefunden hatten, war preiswert und deutlich besser, wie er auf den ersten Blick wirkte. Wir beide hatten die Nacht gut geschlafen. Es wurde sogar ein wenig kühl und wir mussten uns zudecken. Wir waren schon recht erschöpft. Das heiße Wetter, das Suchen und das ständige aus und einpacken der Campingutensilien, schlauchten uns schon ordentlich. Heikes vordere Sitzfläche gab auch immer mehr auf. Bei mir machte sich meine Pumpe ganz sanft bemerkbar. Obwohl ich auch ganz stolz war, wie alles an mir ganz gut funktionierte. Wir dachten darüber nach, ob wir an einer passenden Stelle einen Pausentag einlegen und uns ein wenig pflegen, denn schließlich sind wir hier im Urlaub und nicht in einem Trainingslager.

Das Frühstück am Hängertisch und das Einpacken gingen uns immer besser von der Hand. Obwohl wir alles in slowmotion machten, waren wir um 10.30 Uhr startklar. Der Platzwart, ein lustiger älterer Herr, hatte hier vermutlich seinen Traumjob gefunden und wollte 13 Euro von uns haben. Damit war dieser Campingplatz einer der preiswertesten bisher. Ein bisschen waren wir froh, diesen Platz noch gefunden zu haben, aber jetzt fahren wir wieder zu der Stelle zurück, wo der Navi uns gestern Abend in den See geschickt hatte.

Unsere Route ging direkt am See entlang und machte uns den Abschied schwer. Schnell hatten wir unseren alten Weg wieder aufgenommen. Nur, dass sie durch diesen Navifehler  6 km weiter geworden war.

Unser Navi meinte es gut mit uns und führte uns immer auf netten, kleine Wegen. Aber manchmal übertrieb er auch, wenn zum Beispiel auf der Route ein Schild stand:

Wir sind dann quer durch den Wald geschoben/getragen, weil wir nicht den Hund des Besitzers kennen lernen wollten und kämpften uns auf den Weg zurück. Natürlich suchte der Navi uns augenblicklich eine Alternativroute, direkt an der Bundesstraße entlang. Das bedeutete für mich, Route wieder neu starten. Das war uns heute bestimmt 10 Mal passiert.

Anfangs ging unsere Strecke noch ein bisschen rauf und runter, aber meist ging es immer mitten durch Maisfelder. Der Mais war hier so allgegenwärtig, dass man sich über einen Kartoffelacker oder ein Kornfeld richtig freute. Dagegen sind Cafes und Siedlungen hier Mangelware. Es mangelte hier aber nicht an Bauernhöfen und MISTHAUFEN. Die ganze Route über hatten wir einen gleichbleibenden Mistgestank.

Die Landschaft veränderte sich. Oft wurde hier Torf abgebaut und alle Ortsnamen hatten etwas mit Moor im Namen. Dass dies hier eine Gegend aus der Retorte war, war auch daran erkennbar, dass es hier Linealstraßen gab. Sie gingen über Kilometer schnurgerade aus und bliesen uns den heißen Föhn ins Gesicht. Die Häuser um uns herum wurden ein wenig kleiner, waren aber immer noch imposant. Genau vor so einem Gehöft hatten wir dann unsere Pause gemacht. Da es sehr heiß war, waren unsere Wasser-Reserven schnell leer, zumal ich die Idee hatte, dass eine tropfnasse Radlerhose eine gute Kühlmethode ist.

Je weiter wir uns unserem Ziel näherten, umso schlechter ging es Heikes Sitzfläche. An einem Feldweg, in der Nähe einer Siedlung, ging dann bei uns gar nichts mehr. Mit Mühe schleppten wir uns in den Ort und konnten eine Gastwirtschaft ausmachen, die aber geschlossen hatte. Todesmutig schlich ich mich durch eine Nebentür in die Küche. Dort konnte ich scheppernd eine Köchin ausmachen:

„Nicht erschrecken!“ lallte ich schon halb verwirrt, „Sie müssen zwei ausgedörrte Radfahrer retten!“ Dabei lachte ich Sie erschöpft an.

„Eigentlich haben wir zu,“ schaute sie mich erschrocken an, dann lächelte sie zurück.

„Kommen Sie mal mit, was soll es denn sein, wir gucken einmal gemeinsam!“

Dann ging sie mit mir an den Kühlschrank und stellte eine Handvoll kalter Flaschen auf den Tisch.

„……….nen Stück Kuchen……..?!

„Nein! Aber ein paar Kekse vielleicht!……….Draußen?

„Ja!………..bitte!“

Dann gingen wir nach draußen auf die Terrasse und labten uns an Apfelschorle und Kekse. (den Ghana-Express zu öffnen, kam ja nicht in Frage) Prompt fanden wir wieder Fans, die unsere Radreise mutig fanden. Begeistert erläuterten wir die Einzelheiten.

Wie wir unseren Campingplatz anrufen wollten, stellten wir fest, dass es die Rufnummer auf der Webseite gar nicht gab. Wir beauftragten unseren Sohn Oliver, dies von Düsseldorf aus, zu organisieren. Der hatte so viel Spaß daran, dass er mit einer Konferenzschaltung gemeinsam mit mir das Problem löste. So fanden wir eine ganz andere Rufnummer heraus. Dafür fanden wir an der angegebenen Adresse keinen Campingplatz sondern nur einen Badsee. Nachdem wir mit der neuen Nummer Kontakt aufnahmen, stellte sich heraus, dass man an dem Badesee in mitten einer Vater/Kind Veranstaltung einfach sein Zelt mit aufbauen konnte, was wir dann auch machten. So ganz geheuer war mir persönlich das ja nicht, aber Heike lächelte und das war ein gutes Zeichen.

Nach einem Bad im See gingen wir dann ins Dorf und speisten fürstlich. Auch wenn es sehr warm war, es war heute eine schöne Zeit und ich weiß von unserem Laden nichts mehr!!

 

Gute Nacht allerseits!

Tag 5
Tag 7