Ich muss nicht nach Santiago

Tag 5: Osnabrück – Dümmersee

Der Teutoburgerwald

oder wo Einfamilienhäuser so groß wie Reithallen sind

Am Morgen stand es fest. Der Campingplatz war MIST. Es gab kein Toilettenpapier, keine Wasserhähne am Platz und die Duschen waren so groß wie Besenschränke, aber das Japanische Restaurant……J. Zum Glück ist so ein Zelt aber schnell abgebaut und auf ein Fahrrad verladen. Wir hatten uns zwar ausgedacht, an einem Platz hier in der Gegend auch mal einen Tag länger zu bleiben, aber hier bestimmt nicht.

Auf jeden Fall sind wir heute Morgen erstaunlich gut aus dem Bett gekommen. Ich hatte die Nacht ein wenig Angst, dass ich gestern meine Pumpe ein wenig überlastet hatte, denn in der Nacht hatte sie ein wenig „herumgeeiert.“ Heute Morgen ging es mir aber erstaunlich gut. Dafür machten sich bei Heike immer mehr Ihre üblichen Sitzprobleme bemerkbar. Tja, gestern war die Strecke mit über 80km und den heftigen Bergen ein harter Tag gewesen.

Unser Frühstück gab es wieder an unserem Hängertisch. Da an dem Campingplatz keine Brötchen aufzutreiben waren, mussten unsere Ghana-Express Reserven dran. Wir hatten auf jeden Fall große Aufmerksamkeit.

„Wo kommen Sie denn her? OCH WIRKLICH! Und wo wollen Sie hin…….?“

Dann war das Gespräch meist zu Ende und zurück blieb ein schmunzelnder Zaungast. Ich glaube, wir können selber nicht so ganz begreifen, was wir da machen. Es ist auf jeden Fall ein großes Abenteuer, über das wir noch lange reden werden.

Um 10.30 Uhr ging es wieder los. Der Anfang war, wie zu erwarten, noch sehr bergig, aber die Landschaft und die Wegführung hätten meinem Freund Willi die Tränen in die Augen getrieben und der war ein Held am Navi. Wie schon in den letzten Tagen ging die Strecke hauptsächlich über Wirtschafts- und Feldwege. Mir wird es für immer ein Rätsel bleiben, wie es möglich ist, durch ganz Deutschland zu fahren, ohne ernsthafte Straßen zu benutzen.

Da es heute brüllend heiß war, waren die Wege menschenleer und die Häuser am Wegesrand, die alle zu der Liga der Traumvillen gehören könnten, waren still und wirkten verlassen. Ab und an hörte man Kinder in den Pools plantschen. Die Häuser waren so groß und üppig, dass man auf die Idee kommen könnte, dass man Reitställe, gelungen in Wohnraum umgebaut hatte. Jedes dieser Häuser mit großen Garagen im Hallenformat und einem Vorgarten, der eine Kartrennstrecke ermöglicht hätte, ließen ernsthaft Neidgedanken aufkommen. Ja, ich konnte Hermann den Cherusker-Fürsten verstehen, dass er für diese Landschaft kämpfte. Seine Varusschlacht ging in die Geschichte ein und wir fuhren jetzt unmittelbar durch seine Vergangenheit. Wir waren im Teuteburger Wald. Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass das Tecklenburger Land und der Teuteburger Wald so viele schöne und auch bergige Seiten zu zeigen hat.

In so einer malerischen Ecke machten wir dann auch unsere Pause. Wir beschauten uns die Blätter und bewunderten die alten Häuser. Jeder von uns machte noch ein kleines Nickerchen, denn wir hatten ja heute „nur“ 55km auf dem Plan.

Je näher wir unserem Tagesziel, dem Dümmersee kamen, je flacher wurde es. Das erste Mal fanden wir kein Cafe für unsere Kaffeepause. Es waren einfach zu wenige Siedlungen auf unserer Route. Schließlich kamen wir an unserem Ziel an und unser Navi meinte, dass wir gerade vor einem Campingplatz stehen müssten. Hier war aber nur ein Ausflugslokal, sonst nichts. Die Passanten, die wir fragten, schickten uns mal hierhin und mal dort hin, denn es musste hier eigentlich mehrere Campingplätze geben. Unser Navi kannte aber nur diesen Einen, auf dem Parkplatz, vor dem Ausflugslokal. So gingen wir dann auf die Suche. Nach zigmaligem hin und her fahren, bei 36 Grad im Schatten, fanden wir dann bei Kilometerstand 67 einen Campingplatz. Der war zwar nicht viel besser als der Parkplatz, hatte aber wenigstens Strom. Nachdem unser Zelt stand, schlüpfte ich schnell in meine Badehose und marschierte auf direktem Weg in den See.

Ach!!!! Ein Vergnügen!!!

In dem zu dem Campingplatz gehörenden Hotel gingen wir dann essen. Obwohl das Haus sehr herrschaftlich aussah, war es im Detail eher……… nennen wir es freundlich, etwas seltsam. Bei aller Kritik war das Essen aber gut. Danach gingen wir noch runter an den See, setzten uns auf eine Bootsverleiher-Terrasse und schauten uns unsere Fotos und den malerischen Abend über dem See an.

So, obwohl es immer noch sehr heiß ist, werde ich jetzt meine Zähne putzen und den Tag beenden.

Bis morgen!

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