Ich muss nicht nach Santiago

Tag4: Münster – Osnabrück

Die Alpenpässe von Osnabrück

oder die Wiedergutmachung des Navi

Wie ich heute Morgen die Augen aufmachte und zu meiner Heike rüberblinzelte, deutete Sie mir an, dass es schon nach halb Acht ist.

Langsam realisierte ich, dass ich ziemlich gut geschlafen haben musste. Meine Angebetete sah aber überhaupt nicht so aus, als könnte Sie das auch behaupten. Sie schaute mich zerknittert an und antwortete:

„Frag nicht……..!“

Dann nahm Sie den Kulturbeutel und ging duschen. Ich sammelte meine sieben Sachen ein und ging ebenfalls. Die Duschen waren hochmodern und eine Wohltat zum wach werden.

Wieder am Zelt angekommen, kam meine Zerknitterte angewandert und begann mit den Frühstücksvorbereitungen. Ich versuchte, einen Teil der verschlafenen Zeit wieder heraus zu holen und begann eifrig mit dem Abbauen. Es war jetzt schon sehr sommerlich heiß.

Nach einem guten Frühstück und dem restlichen Zusammenpacken, ging es mit einer halben Stunde Verspätung, auf unsere vierte Etappe. Beide waren wir gespannt, wie wir heute mit dem Navi auskommen würden. Heute standen 80km auf dem Plan und es sollte angeblich hügelig werden.

„Was kann im Osnabrücker Land schon hügelig sein….?“

Direkt nach dem Start zeigte sich die Route von ihrer besten Seite und lotste uns durch eine feine Landschaft. Es waren ausnahmslos Wald- und Feldwege, mal mit und mal ohne Asphalt. Da ich aber für mein übliches Tempo von 21km/h sehr heftig drücken musste, vermutete ich, dass es schon langsam bergauf ging.

Wenn man von der einen oder anderen Baustelle mit Schiebeanteil absieht, war die Strecke malerisch schön.  „So muss wandern sein………oder eben Radreisen!“

Ich drückte heute ziemlich auf das Tempo, da eine innere Stimme uns ermahnte, für den Abschluss noch etwas Zeit übrig zu haben. So hatten wir schon um Ein Uhr fast 30km runter und wir gönnten uns auf einer schönen Bank, mitten im Wald, eine Pause. Da wir gestern Abend jeder 2 Liter getrunken hatten, ohne ernsthaft auf die Toilette zu müssen, hatten wir uns vorgenommen deutlich mehr zu trinken. Also packten wir unsere Wasserreserven aus und gönnten uns bei der Hitze einen guten Schluck.

So fuhren wir mit gutem Tempo und toller Strecke in einen kleinen Ort Namens Lienen. Es ging hier arg rauf und runter und hatte etwas schwarzwäldisches. Nach einer ersten Steigung grinste uns ein Cafe an. Ruckzuck saßen wir und ließen uns Eis und Kuchen schmecken. Beim Bezahlen begann ich mit der Bedienung einen Smalltalk und sagte Ihr:

„Kann es sein, dass es bei Ihnen sanft hoch geht?“

„Von wo kommen Sie denn?“

„Münster!“

„Ohh, dann wird es noch malerischer aber auch noch steiler!“

Bei diesen Worten lächelte Sie ganz seltsam. Dann kam es knüppeldick. Erst einmal 10 km mit Serpentinen durch eine Hochalpine Landschaft, mit Kurven vom Feinsten, nur leider SENKRECHT nach oben. Ich erstarrte! Wie waren noch die Worte meines Hausarztes:

„NICHT AUSBELASTEN! NIEMALS!“ Dabei sah er sehr ernst und ermahnend aus!

Jetzt ächzte ich, mit 40 Kilo Gepäck, mit 6 km/h diese senkrechte Wand rauf. An einem besonders steilen Stück überholte mich ein Rennradfahrer mit einer Leichtigkeit und Grazie, dass ich mein Rad am liebsten sofort geschoben hätte. Mein Ghana-Express vor mir, schaltete grinsend den Strom stärker und verschwand lächelnd und pfeifend am Horizont. Nach 10 km dieser Strecke gab es erst einmal eine Pause. Danach ging es mit hochalpiner „Wellaform“ noch weitere 15 km zum Ziel. Ganz am Ende unserer Etappe, ging es im Hinterland von Osnabrück, dann noch einmal so eine richtige Schrankwand hoch. Meine Pulsfrequenz erinnerte eher an einen elektrischen Rasierapparat, als an Vernunft. Dann machte Heikes Akku die „Grätsche“. Das bedeutete für Sie, dass Sie die letzten Kilometer Ihren Ghana-Express die steile Wand hochschieben durfte.

Obwohl ich wieder einmal vermutete, dass es hier niemals einen Campingplatz haben wird, tat sich hinter einer Biegung einer auf. Mit letzter Kraft enterten wir Ihn und bauten unser Zelt auf. Heike war so platt, dass Sie nur noch auf die Matte wollte.

Mit meiner letzten Überzeugungskraft überredete ich Sie, in das dem Campingplatz angeschlossene Japanische Restaurant zu gehen. Bei herrlichem Sushi hatten wir dann auch einen vortrefflichen Abend.

So, jetzt werde ich auch still umfallen und schlafen gehen. Es war gut!

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