Ich muss nicht nach Santiago

Tag 25: Meppen – Riesenbeck

Alles ist gut,

oder wenn ich mir etwas wünschen könnte.

Heute war unser letzter Tag. Bange schaute ich gen Himmel, ob es regnete. Die ganze Nacht über hatte es geregnet und Heike war stolz über Ihrer Entscheidung, vor dem Regen in ein Hotel geflüchtet zu sein. Heute Morgen aber lag aber eine bange Frage in der Luft:

„Wird es heute weiter regnen? …. Wenn Ja, ……. dann bleiben wir hier und es ist Schluß!“

Pünktlich nach dem genießerischen Frühstück, blitzte einmal kurz der blaue Himmel für „Sekundenbruchteile“ durch die grauen Wolken und es hörte auf zu regnen. Die Wettervorhersage schrieb zwar, dass andauernd Regen und Gewitter sein werden, aber bisher war uns der Wettergott ja auch hold gewesen. Heike schaute mir tief in die Augen:

„Du würdest gerne weiter fahren oder?“

„Hmmmmmm (tiefes Ausatmen mit sehnsüchtigem Kopfnicken)“

„Dann lass uns fahren! …….Oder?“

„(leuchtende, strahlende Augen) O.K. wir fahren!“

Dann packten wir unsere sieben mal sieben Sachen ein und fuhren los. Vorher fühlte ich unserem Navi noch einmal auf den Zahn. Heute sollte er so funktionieren, dass er auch mit nach Hause kommen darf und nicht vorher schon im Dortmund Ems Kanal als Wurfgeschoss endet. Auf unserem Laptop funktionierte die Route wieder tadellos, wenn aber der Laptop von dem Navi getrennt wurde, drehte der total ab und baute alle Routen ins aberwitzige um. Ich hatte aber zum Glück einen Track (Linie auf der Karte) von der Ideal-Route abgebildet und auf dem Navi installieren. Mit diesem Track sollte es gehen.

„Und wenn es nicht geht,….. nicht ärgern, sondern Navi nehmen und Ente abtreffen!“

Mit uns gemeinsam starteten einige andere Radreise-Paarungen. Wir waren wie üblich einer der letzten, die los kamen. Die Fahrradgarage war gestern Abend VOLL gewesen und jetzt war sie leer.

„Da werden sich einige über unsere monstermäßig beladenen Fahrräder geärgert haben, denn diese zu versetzen war bestimmt Schwerstarbeit.“

Mit uns gemeinsam startete ein Pärchen, die mir aufgefallen waren. Schon beim Frühstücken heute Morgen, viel mir am Nebentisch die besondere Stimme des Mannes auf. Sie gehörte einem SEHR rüstigen älteren Herrn, nobel gekleidet, in Begleitung einer jüngeren Frau. Gestern hatten Sie noch malerisch unter der Kastanie auf der Hotel-Terrasse gesessen und Wein getrunken. Mein Hirn spuckte bei dieser prägnanten Stimme, sofort den ehemaligen Regierungspräsidenten von Köln, Herrn Franz Josef Antwerpes aus. Heute Morgen sah uns seine Begleitung auf unsere Räder steigen und begann ein Gespräch mit uns.

„Wo geht es hin, von wo kommen Sie denn und warum hat die Frau das ganze Gepäck,?“

Heike erklärte Ihr alles und lachte eins ums andere Mal. Der Herr zog sich in den Hintergrund zurück und ich rüstete die Räder auf. Dann fuhren Sie los. Wir folgten Ihnen nach 10Minuten. Kurze Zeit später konnten wir den Herrn einholen, während seine Begleitung eilig davon zog. Wir folgten Ihr und sie fuhr ein knackiges Tempo. Das der Herr weg war, schien Sie nicht zu stören. Wir hielten kurz an, um unserem Navi seine Lebensberechtigungsfrage zu stellen. Während dessen zog Herr Antwerpes wieder vorbei.

„Ihre Begleitung ist schon weiter……!“

„Die darf dat!“ Und weg war er.

Wir zogen flott hinterher und schlossen auf. An einem Berg überholten wir Sie beide.

„Sie sind aber flott…..!“

„Nein, nein,…. Sie sind flott, wenn ich so Ihr Gepäck sehe!“

Ab jetzt entbrannte ein witziges miteinander Fahren. Immer wenn eine Paarung Pause machte, fuhren die anderen vorüber und machten schräge Bemerkungen:

„Erster!“

Beim nächsten Führungswechsel: „Was haben Sie vorhin gesagt,…. Ich habe nicht verstanden….?“

Beim nächsten Führungswechsel: „Ich sagte…….Erster!“

Jeder dieser Bemerkungen wurden von einem großen Gelächter begleitet. Irgendwann verloren wir uns dann aber aus den Augen. Schade, das waren nette Leute.

Unser letzter Tag schien ein „Wünsch Dir was Tag“ zu sein. Der Navi funktionierte einigermaßen, der Gegenwind war ganz ertragbar, das Wetter wurde immer besser und wir fuhren mit netten Menschen, an unserem Kanal entlang und der zeigte sich von seiner besten Seite. Das Einzigste was fehlte, war etwas zu Essen, da wir unseren Ghana-Express sicherheitshalber nicht mehr aufgefüllt hatten.

„Haben wir nicht noch Käse?“

„Nein,…… aber ich bestell Dir beim Universum direkt ein Cafe! Was meint Du?“

Heike lächelte mager. Prompt kam ein Schild mit der Aufschrift Cafe. Es war zwar gammelig (das Schild) aber wir fuhren hin. Was soll ich sagen, ein Cafe vom feinsten und das beste daran:

„Haben Sie Kuchen?“

„Ja, können Sie sich selber holen, ist ein Angebot, 6.50€ für Tee und Kuchen so oft Sie wollen!“

„Wirklich?“

„Wenn ich es sage! Und Ihre Frau….?“

„Ein Käsebrot……?“

„Kommt!“

Dann kam ein KÄSEBROT mit Kartoffelsalat und Beilagen im Überfluss. Ich ging währenddessen so oft zur Kuchentheke das ich Angst hatte, ich könnte eine Laufrille im Boden hinterlassen.

Heute war wirklich der krönende Abschluss einer großartigen Radreise. Auf 1450km hatten wir viel erlebt, viel über uns gelernt und begriffen, wie wertvoll die kleinen Dinge in unserem Leben sind. Jetzt sind wir in unserem letzten Hotel angekommen und Morgen wird uns unser Sohn Olli nach Hause holen. Es waren tolle 25 Tage, die mir wie eine ganze Ewigkeit vorkamen und Heike war dabei der beste Partner, den mal sich denken kann.

Vielen Dank dafür!

Tag 24
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