Ich muss nicht nach Santiago

Tag 24: Westoverledingen – Meppen

Stau am Dortmund-Ems-Kanal,

oder du sollst den Navi nicht vor dem Abend loben.

Und Murphy sagte:

„Es könnte schlimmer kommen ……… und ……… es kam schlimmer!“

So ungefähr ging es uns heute Morgen. Beim Einpacken war eigentlich noch alles prima, außer, dass uns so langsam der Drive auszugehen scheint und wir morgens immer später fertig werden. Vielleicht ist es auch nur die neu erworbene Gelassenheit, die uns so entspannt in den Tag starten lässt. Auf jeden Fall war es heute Morgen spät.

Unser Zelt ist trotz des gestrigen, abendroten Himmels,  wieder trocken in seine Hülle gewandert. Gott sei Dank! Ein paar mal dachten wir, dass es die Nacht regnen müsste. Wir hatten aber Glück. Das Frühstück war wieder eines unserer legendären Hängertisch-Frühstücke mit frischen Brötchen und Porridge / Obst für mich. Ich frage mich langsam, ob ich jemals wieder ganz normal werde frühstücken können.

Dann ging´s los mit unserer Tour. Mit dem kleinen, feinen Problem, dass unser Navi, den ich gestern ja noch so gelobt hatte, sich strickt weigerte, den Dortmund Ems Kanal entlang zu fahren. Egal was ich auch versuchte, er wollte 65 km an der Bundesstraße B70 entlang fahren. Das ist aber mittlerweile sogar mir ein Graus.

Eine halbe Stunde lang habe ich versucht, die vorher eingestellte Route zu aktivieren,….. Fehlanzeige. Da wir uns aber hier in der Region blind auskennen, sind wir aus dem Gedächtnis zum Dortmund Ems Kanal gefahren.

Das hat uns zwar zum Kanal gebracht, hat aber die Strecke länger gemacht als geplant. Dazu war es die ganze Zeit eine gewittrige Stimmung mit brutalem Gegenwind. Vermutlich war das die Quittung von OBEN für meine schräge Bemerkung von gestern. Unser Navi eierte die ganze Zeit herum und war uns heute auf jeden Fall keine Hilfe. So ging es heute 82 km auf Tour, bei brutalem Gegenwind, auf Sand und Schotterwegen und ohne Navi.

Ich sag nur Murphy…….!

Die Radreise-Leute die uns heute entgegen kamen, waren nicht wie sonst vereinzelten Figuren, nein, heute kamen uns ganze Horden entgegen gefahren. Meist wurden wir mit lautem HEEEE und HALLO empfangen und vor lauter Gewinke fast vom Fahrrad geholt. Anstatt ab und zu Mal ein freundliches MOIN zu rufen, hätten wir heute am liebsten ein Schild mit den wichtigsten Begrüßungsfloskeln an den Lenker gehängt. Ja, es war voll am DEK. Alle Bänke waren besetzt und damit war auch unsere Pause…… Essig.

Ich sag nur Murphy…….!

Am Nachmittag haben wir dann den nächsten Campingplatz in Meppen angerufen. Der hatte auch direkt ein Plätzchen für uns, aber der Wetterbericht und die Wolken am Himmel sprachen eine ganz andere Sprache.

„Du, Thomas,…sollen wir uns so kurz vor dem Ende unsere Tour wirklich noch ein nasses Zelt einhandeln?“

Heike und ich tauschten wortlos Gedanken aus:

„Das wird regnen……!“

„Kann sein….!“

„……Hotel?!“

„Hmmmmm (mit lässigem Kopfnicken)“

So haben wir eines der Hotels angerufen, die wir in Meppen kennen, denn wir waren ja schön öfter hier. Prompt hatten die auch ein Zimmer frei, wir also hin. Auf den letzten 12 Kilometern lotste uns unser Navi aber so an den Kanal, dass wir plötzlich eine nicht vorhandene Brücke hätten nehmen sollten. Da Heike aber Ihre Badekappe gerade nicht zu Hand hatte, sahen wir uns außerstande zu schwimmen und mussten uns so einen Umweg von weiteren 5 km antun.

Ich sag nur Murphy!

Kurz vor dem Hotel fing es leicht an zu tröpfeln und Heike schaute nach oben:

„Wenn es heute nicht regnet und wir deshalb nicht zelten waren, bin ich sauer! Und wenn es morgen regnet bleiben wir hier!“

„Na, …..da schaun wir mal morgen weiter!“

Somit sind wir beide erschlagen und entnervt im Hotel eingecheckt und haben uns mit einer heißen Dusche und einem leckeren Essen wieder aufbauen lassen. Da hier bis jetzt alles vorzüglich war, gehe ich jetzt einmal frech davon aus, dass wir das Gesetz von besagtem Herrn Murphy gerade durchbrochen haben.

Mal sehen was uns der Morgen so bringt.

Bis dahin, gute Nacht!

Tag 23
Tag 25