Ich muss nicht nach Santiago

Tag  20 – 21 : PAUSE in Bremerhaven

Pause in Bremerhaven

oder das Klimahaus als philosophische Geburtshilfe.

„Immer wenn ich auf die Alm komme,“ sagte die über alle vier Backen strahlende Bäuerin, „dann ist da so ein komisches Gefühl, ein Kribbeln am ganzen Körper, ja es friert einen richtig und den Tieren geht es ähnlich, sie sind dann ganz anders. Dabei ist das Leben hier oben auf der Alm sehr anstrengend. Man arbeitet ständig, hat keinen Strom, keinen Fernseher, Wasser muss man sich holen, steht in der Früh auf und geht zu Bett, wenn man müde ist. Trotzdem ist es erholsam. Es ist die Stille und dass man ganz bei sich und den Seinen ist. Es ist aber auch ein ständiges Abschiednehmen. Abschied von dem Hof im Tal und im Herbst Abschied von hier oben. Aber unter dem Strich freust  du dich, wenn du gesund wieder ins Tal kommst und den Besitzern die Tiere wieder gesund übergeben kannst.“ Bei diesem Filmausschnitt hatte die Bäuerin Tränen in den Augen und lächelte gleichzeitig. Gemeinsam mit Ihrem Mann und den Enkeln saßen sie an einem Tisch.  Alle hatten Sie den gleichen, strahlenden Gesichtsausdruck.

Auf einmal konnte ich es genau beschreiben, unser Gefühl bei der Pilger-Radreisen. Ja, es ist anstrengend. Du bist den ganzen Tag am Trampeln, das Wasser musst du dir holen, du bist ständig etwas am Aus- und Einpacken und musst dich permanent auf neue Gegenden und neue Leute einlassen. Alles ist heute neu und morgen schon hinter Dir, aber es ist die Stille und dass du etwas isst wenn du Hunger hast und schläfst wenn du müde bist und nichts weiter.

Da wir mit dem Fahrrad angereist sind, war die Ausstellung im Klimahaus in Bremerhaven sehr viel eindrucksvoller. Während viele Menschen hier reizüberflutet durch die Gänge hasteten, lagen wir unter dem künstlichen Sternenhimmel und lauschten der sphärischen Musik. Wir betrachteten die nachgebildeten Landschaften, wie jemand, der nach einer langen Zeit auf der Alm, zum Jahrmarkt eingeladen wird. Plötzlich werden kleine Eindrücke ganz groß. Die Ausstellung brachte uns das Leben der Menschen auf dem 8. Längengrad näher. Auf einmal waren wir in der Lage uns eine Vorstellung von dem Leben der fremden Menschen zu machen, die uns hier näher gebracht wurden. Vor allen Dingen konnten wir fühlen und begreifen was für Sie wirklich zählt. Wir betrachteten uns aber auch die anderen Besucher. „Geht es uns meist nicht genauso wie diesen hastenden Menschen…….? War das Leben von Miriam dem Tuarek – Mädchen, welches wir hier im Film kennen lernten, wirklich so viel schlechter wie das, unserer gleichaltrigen Nachbarstochter?“

Dass wir in Bremerhaven eine Pause machen würden, war schon fast ein muss. Bei unserem letzten Besuch hier oben, waren wir schon im Auswanderer Haus gewesen, aber  für mein U-Boot und Heikes Klimahaus blieb damals keine Zeit.

Jetzt hatten wir Zeit. Am Samstag besuchten wir das Klimahaus und gingen danach im Hafen lecker essen. Am Abend radelten wir gemütlich, an der Geeste entlang, zum Campingplatz zurück und genossen den lauen Sommerabend.

Am Sonntag machten wir uns nach einem guten Frühstück und ein bisschen Schreiben auf den Weg zum Bremerhavener Fischereihafen. In allen Broschüren wurden tolle Sachen beschrieben, wie urig und einzigartig es hier sein muss. Das wollten wir natürlich auch live erleben. So machten wir uns auf eine Radtour rund um den Hafen. Wir fanden viele tolle Orte: einen Flughafen, riesige Windkraftanlagen-Flügel, die alte Motorrad-Rennstrecke im Fischereihafen und auch das lustige Treiben im Schaufenster – Fischereihafen. Ein Matjes-Brötchen war natürlich ein muss.

Dann ging es zurück in „mein“ U-Boot. Mein Schwiegervater Walter hatte auf so einem Boot gedient und meine Hochachtung stieg mit jedem Augenblick, den ich in diesem engen Boot verweilen durfte. Unglaublich wie klein und eng alles hier war. Der Oberhammer war aber die Kombüse. In einer Küche, die in etwa so groß war wie die in einem Campingbus, hatte ein Koch 58 hungrige Männer zu bekochen und das bei Seegang!

Unglaublich!

Den Nachmittag verbrachten wir am Hafen und den urigen Cafes. Ich fühle mich, als wären wir schon seit einem halben Jahr auf Tour. Es ist schön hier!

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