Ich muss nicht nach Santiago

2.Tag Hünxe – Haltern

Land unter an der Lippe

oder sind die Stecker im Wasser?

Langeweile………!

Das ist es was ich suche, aber auch, was ich in der letzten Zeit am Meisten zu vermeiden versucht habe. Jetzt habe ich sie und es ist gut. Auf eine seltsame Art macht sie es mir möglich, dass ich nach 2 Tagen unendlich weit weg von der stressigen Realität zu sein scheine. Es gibt nur das Radfahren, mal eine Pause und ein Bäckerladen wird zum Höhepunkt des Tages. Den ganzen Tag drehen sich die oberflächlichen Gespräche nur um Ihn. Ja,…..die Langeweile.

Die letzte Nacht war wie üblich eine unruhige gewesen, denn es war ja die erste Zeltübernachtung auf unserer Tour. Heike hatte komplett tiefenentspannt gut geschlafen. So konnte ich mir den frotzeligen Vorwurf nicht verkneifen, dass wir nur im Zelt schlafen, damit Sie überhaupt mal ein Auge zumacht. Vielleicht lag mein unruhiger Schlaf aber auch an der Tatsache, dass wir direkt unter einer Laterne unser Zelt aufgebaut hatten und damit immer ein nettes Licht im Zelt hatten.

Wie wir um 7.30 aus dem Zelt kletterten, waren unsere holländischen Nachbarn schon voll im Gange. Jeder von ihnen hatte ein Stück Brot mit Marmelade in der Hand und einen Becher mit Kaffee dazu, das war Ihr Frühstück.

Nein!………..

So etwas war mit unserem Ghana-Express ja gar nicht drin. Mit unserem Wasserkocher haben wir schnell zwei verschiedene Tees zubereitet, für mich Porridge mit Apel, Kiwi und  Pfirsich und für Heike, Brot mit verschiedenen Käsesorten, Tomate und Kabanossi. Das alles fein an unserem Tisch aufgebaut……

„Ja, so gefällt auch mir das Camping.“

Natürlich waren unsere Nachbarn auch im Handumdrehen weg, während wir noch eine ziemlich lange Zeit zum Einpacken und Aufladen brauchten. Naja, man kann nicht alles haben.

Pünktlich um Zehn starteten wir auf unsere heutige 48km Tour. Sie sollte uns am Weser-Dattel –Kanal und an der Lippe entlang, zum Haltener Stausee führen. So fuhren wir los. Immer wenn unser Garmin die Route auf eine Bundesstraße lenken wollte, bog ich spontan auf einen Waldweg ab. Das war auch meist ganz lustig, bis auf die 2km mitten durch den Matsch, den Heike nach Ihrem Sturz nicht mehr so ganz entspannt durchfuhr.

Auf unserer Route war dann auch besagter Bäcker, der uns mit Frikadellen, Brot, Marmelade, Müslistangen, Käse und einer Hartwurst versorgte. Damit war unser Lebensmittelvorrat wieder auf der Höhe. Einige Kilometer weiter, in einem schönen Naturschutzgebiet machten wir dann auch die erste Pause und verspeisten einen Teil unserer Picknick-Feinheiten.

Von da an war die Tour nur noch ländlich und schön. Alles lief wie am Schnürchen, bis uns zwei ältere Herren auf ihren Fahrrädern wie aufgescheuchte Hühner entgegen kamen:

„Umdrehen! Da… ist alles unter Wasser, da geht nix mehr, ich bin schon geschwommen..!“

Die Alternative zu diesem malerischen Weg war…..endlose Bundesstraße! Das Gemecker meiner Frau über diese triste Wegführung, wollte ich aber auch nicht ertragen. So habe ich mich zu ihrem Entsetzen auf mein Rad geschwungen und bin todesmutig in die bodenlose schwarze Wasserpampe gefahren. Der Untergrund war grauenvoll matschig und ich vermutete unendliche Abgründe, die an der Oberfläche natürlich nicht zu sehen waren.

(Bei einer Motorrad-Geländefahrt habe ich bei so einer Gelegenheit mal einen fürchterlichen Salto gemacht, weil auf dem Boden der Megapfütze ein Betonklotz lag.)

Aus verständlichen Gründen wollte ich jetzt auf gar keinen Fall anhalten und absteigen müssen, auch wenn meine Pedale (und die Fronttaschen) schon im Wasser schwappten. Ich war aber nicht gewillt, klein bei zu geben und kämpfte mich durch die ekelige Brühe. Da der Weg um eine Kurve fuhr, konnte ich Heike nicht mehr sehen,….. dafür aber deutlich hören:

„Ich komm jetzt…..!“

Ob sie weiß, dass sie am Hinterrad den Motorstecker hat, durch den VIEL Strom fließt……? Ob Sie weiß, dass wir nach Hause fahren, wenn Sie umfällt…….? Was mag der Akku machen, wenn er im Wasser liegt…….? In meinem Kopf spielte sich ein Video eines explodierenden Akkus ab, den ich bei einer Schulung gesehen hatte. Ich schaute zuerst ängstlich nach vorne und dann traurig an mir herunter, auf meine noch trockenen Schuhe.

„Ich komm jetzt…….!“

Sofort wetzte ich los, dacht in keinem Augenblick über meine versifften Schuhe nach. Jetzt galt es, die Gefahrensituation abzuwenden oder wenigstens zu begleiten, als meine Heike barfuß, lächelnd angewetzt kam und ihr Fahrrad schob. Braves Mädel ging es mir durch den Kopf. Gemeinsam durchquerten wir die Fluten und wurden dafür mit einem  zauberhaften Weg belohnt, den wir jetzt auch garantiert für uns alleine hatten. Fluten sei dank! Es ging immer am Kanal entlang, fast wie am Dortmund Ems Kanal. Mit jedem Meter wurde ich entspannter und ruhiger. Nach einer Biegung des Kanals meinte unser Navi, unser Campingplatz wäre auf der anderen Seite. Wir hätten an dieser Stelle wetten können, dass Ihm nicht so ist. Es war aber in der Tat so. Ein herrlicher Platz mit Strom und netten Nachbarn. Einem Restaurant der Extraklasse, mit einer Terrasse mit Blick auf den Stausee, bestem Kuchen und bestem Essen.

Unser Zelt war schnell aufgestellt und auch schnell ein Gespräch mit den Nachbarn angezettelt, welches schließlich in einer Lage Kaltgetränke und schmutzigen Witzen endete. So ging das den ganzen späten Abend lang. Es war ein schöner Tag, ein netter Abend und jetzt werden wir die Dötze zumachen und schlafen!

Tag 1
Tag 3