Ich muss nicht nach Santiago

Tag 19: Cuxhaven – Bremerhaven

Von der Elbe bis zur Weser

oder wenn einer fehlt!

Die Geburtstagsparty bei Detlef und Heike war sehr schön gewesen. Unser Haupt-Thema war natürlich unser gemeinsames Hobby, dass Motorrad-Gespann-Fahren. Artig richteten wir die herzlichen Grüße von unserem gemeinsamen Freund Peter Sauer aus. Heike (die Frau von Detlef) konnte sich sehr gut daran erinnern, dass ich Ihr als Fahrtechnik-Trainer vor einigen Jahren, das runde Gespann-Fahren beigebracht hatte. Wir hatten einige Lehrgänge zusammen unter die Räder genommen und  dabei etliche schnelle Runden gedreht. Das Vertrauen zu mir als Instruktor und zu den Teilnehmern der Gruppe, verbindet miteinander. Als wir uns gesehen haben, war das vertraute Gefühl sofort wieder da.

Die Feier hatte aber auch zum Denken angeregt. Die ganze Nacht ging uns nicht mehr aus dem Kopf, dass der erstgeborene Sohn von den Beiden Tim, vor zwei Jahren, mit 18 Jahren bei einem Motorradunfall gestorben war. Ich hatte Ihm vor Jahren noch sein erstes Kinderrad verkauft und jetzt war sein kurzes Leben schon beendet. Daran änderte auch nichts, dass ihn der zwei Jahre andauernde Prozess für schuldlos erklärte. Die Zwei waren selbst zwei Jahre nach dieser Geschichte immer noch am Ende Ihrer Nerven. Ihr ganzes Leben schien vorher in festen Bahnen zu sein und erfolgreich zu verlaufen. Der Sohn würde eines Tages den Laden übernehmen und sich um die geschäftlichen Dinge kümmern. Er hatte auch großes Interesse für das Geschäft und ging darin auf und jetzt….. ist er nicht mehr da. Plötzlich geraten alle Pläne in Schieflage. Macht der Laden überhaupt noch Sinn? Wozu sich jetzt noch krumm legen? Kann ich selbst noch Motorradfahren? Wie gehe ich mit seinem Bruder um? Kann ich je wieder Weihnachten feiern? Fragen über Fragen strahlten die Augen der Eltern aus, ohne eine Antwort darauf zu erwarten.

„Noch eine Wust? Thomas? Heike,……Du noch etwas?“

Sie waren so freundliche und so gute Gastgeber gewesen, wie man sich es nicht schöner denken konnte. Die hier anwesenden Freunde, konnten sich mit den Besten messen lassen. Frech, engstehend, treu und hilfsbereit, so kamen Sie mir allesamt vor. Eine tolle Truppe.

Trotz der schweren Gedanken, konnte ich sehr gut schlafen. Ich fand schnell meine Liegeposition. Morgens war ich schon um 7.30 auf dem Weg zum Duschen. Heike schlief noch.

„Vielleicht bereitet Ihr der Duft von frischen Brötchen einen guten Morgen!“ Ging es mir durch den Kopf. So brachte ich vom Duschen direkt frische Brötchen zum Zelt. Heike war schon wach und räkelte sich auf Ihrer ISO – Matratze.

„Dann geh ich wohl auch duschen……“

Ich breitete an unserem Hängertisch das Frühstück vor und drapierte die Brötchen demonstrativ auf Heikes Teller. Langsam hatten wir in unseren Abläufen eine angenehme Routine entwickelt. Das bedeutet aber auch, dass unsere legendäre Radreise so langsam in die Endphase gehen würde. Schade, denn gerade jetzt kehrte so richtig Ruhe in unseren Tag ein. Aber ein paar Tage würden wir ja noch haben.

Parallel mit unseren Nachbarn bauten wir unser Equipment ab und verstauten es. Durch unsere Routine waren wir sogar etwas eher fertig als sie und konnten um 10.30 Uhr zu unserer nächsten Tour starten. Diese sollte uns von der Elbe nach Bremerhaven an die Weser bringen, wo wir schon im Frühjahr ein paar Tage verbracht hatten. Unser Weg würde auf der Weser-Route verlaufen, über die viele gute Dinge berichtet wurde. Ich freute mich.

Schnell verließen wir mit einem Pulk von Radlern das malerische Cuxhaven und fuhren über kleine Wege immer am Deich entlang.

Passend dazu hatte natürlich der Wind gedreht und blies mir VOLLES PROGRAMM ins Gesicht. Das bedeutet, gemütliche 12km/h oder mit Druck 18km/h. Ich machte die ernüchternde Feststellung, dass Gegenwind schlimmer ist wie ein Berg, denn der geht ja auch mal wieder runter. Der Gegenwind aber bläst ohne Unterlass.

So sind wir mit reichlich Pausen und „gegenwindschimpfend“ durch den sehr sonnigen und heißen Tag gefahren.

Mit der Nähe von Bremerhaven, näherten sich auch der Containerhafen und der dazu gehörende Lärm. Auf einer Wiese schauten wir dem emsigen Treiben eine Zeit lang zu, dann stürzten wir uns in das Stadtgetümmel. Mit einem Schlag hatte uns der Lärm wieder.

Wir spekulierten noch auf ein Cafe am Wegesrand, wurden aber von der Route enttäuscht, die uns über LKW Straßen durch die Stadt führte. Wie schon bei den anderen Etappen hatten wir 2 km vor unserem Etappenziel noch keinen Campingplatz in Sicht, aber plötzlich standen wir davor.

Ein riesiger, fast leerer Platz, mit einem See zum Baden und freier Auswahl der Plätze. Mit einem anderen Radreise-Menschen haben wir uns dann in der Nähe des Sees niedergelassen und uns häuslich eingerichtet.

Nach einem kühlen Bad im See und einem fürstlichen Essen in dem Restaurant, natürlich mit etlichen Apfel- und Rhabarbersaftschorlen, sind wir dann nach einem kleinen Spaziergang ins Zelt gekrochen.

Resümee: Ein ruhiger erholsamer Gegenwindtag.

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