Ich muss nicht nach Santiago

Tag 12 – 14: Breisach – Brodersby

Und Du glaubst Du bist wo anders

 

oder einmal Sauer hin und zurück.

Das Ziel unserer Pilgertour war mein alter Freund Peter Sauer. Er betreibt in Brodersby (bei Kappeln) eine legendäre Gespannbau-Manufaktur. Ich bin seinerzeit für Ihn und seine Kunden als Fahrtechnik-Trainer unterwegs gewesen. Er liebt und baut Gespanne, so wie wir Fahrräder. Wir haben viel gemeinsam erlebt und sind sogar einmal gegeneinander bei einem Rennen gestartet. Er, selber ein genialer Fahrtechnik-Trainer, war damals Erster und Heike und ich Zweiter. Die Nationalhymne auf dem Siegertreppchen habe ich heute noch im Ohr. Schon lange wollte ich Ihn und seine Frau besuchen und jetzt war es endlich soweit.

Wobei es schon ein seltsames Gefühl ist, wenn man nach vielen Tagen anstrengender Anreise, dem Ziel in greifbare Nähe kommt. Man ist ungeduldig und gleichzeitig neugierig, aber auch ein wenig traurig. Die 11 Tage mit dem Fahrrad zu fahren und immer ein Gesicht im Kopf als Ziel zu haben, ist eine gute Motivation und wenn alles normal abläuft, werden wir heute Abend am Ziel sein. Wir werden über 800km mit dem Fahrrad gefahren sein um Peter und Elsbeth sowie Hund Lotta nach 20 Jahren Bekanntschaft endlich einmal zu besuchen.

Die Sonne erreichte sehr früh unser Zelt und ermahnte uns zum Aufbruch. Die Nacht war das erste Mal nicht so gut. Der Untergrund, den wir gewählt hatten, war schief und krumm, so dass wir beim Schlafen immer zusammengekullert sind. Heike hat es besonders getroffen, da Sie auf „Kuhlen“ im Bett sehr empfindlich reagiert. So sind wir bei Sonnenschein und heißem Wind aus dem Zelt gekrabbelt und haben uns zu unserer Zielfahrt fertig gemacht. Ein wenig freute ich mich auf unser selbst gemachtes Frühstück. Es kostete uns zwar immer viel Zeit, ist aber ein toller Start in den Tag. Da Heike nach der Nacht ein wenig „eirig“ in den Tag startete, begann ich eifrig mit dem Abbauen.

Wie immer starten wir so um 10.30 Uhr auf unsere heutige Etappe. Aus der Vorbereitung weiß ich, dass die Strecke heute es etwas hügelig sein wird. Zusätzlich bläst uns ein kräftiger Wind ins Gesicht. Dabei ist er so heiß, dass der Wind uns zwar etwas abkühlt, aber die Hügel zu strammen Bergen aufbläst. Da wir heute Abend aber keinen Zeltplatz anvisieren, können wir etwas trödeln und später eintreffen. So lassen wir uns Zeit

Wir nehmen Kurs auf Rendsburg. Zuerst führt uns die Route am Kanal entlang, auf der wir verträumt den Schiffen und Segeljachten zusehen. Kurz vor Rendsburg trennen wir uns von unserer Route, um Sie etwas abzukürzen.

Unser Navi führt uns über Feld und Waldwege in die hintersten Winkel. Je weiter wir kommen, umso erstaunter sind wir von der Gegend. Sie hat etwas von allen Touren vorher. Es hat wenige und verstreut stehende, tolle Häuser.

Die Gegend ist mal flach und ostfrieslandmäßig und dann wieder wie in der Eifel. Überall steht hier Wald zwischen den Feldern und die Straßen sind ein Traum zum Motorradfahren. Mal sind es weite Schwünge und mal sind es einsame, Kartbahn ähnliche Wege. Die Dörfer sind weit verstreut und die Besiedelung erscheint mir hier, wie in den dunkelsten Ecken der Eifel. Auf den Straßen ist wenig los. Für uns geht es aber definitiv zu viel im heftigen Gegenwind rauf und runter. Wie wir später erfahren sollen, ist der kräftige Ostwind, den wir hier spüren, an der Tagesordnung und für das trockene Klima verantwortlich. Da wir uns in lockeren Schwüngen nach Nordosten bewegen, lernen wir so den Wind kennen.

Das Zeichen, das wir verfolgen, ist der Ochsenradweg. Es ist ein uralter Handelsweg, der lange benutzt wurde, um Schlachtvieh in die Städte zu treiben. Heute treiben wir uns auf ihm herum. An einem Unterstand im Wald machen wir Pause und packen unsere Essenssachen aus. Im kühlen Schatten halten wir uns auf und tanken neue Energie. Nach einem kleinen Nickerchen ziehen wir wieder weiter. Alles hier erinnert mehr an den Eifelsteig als an die Ostsee.

Wir durchqueren kleine Dörfer und werden durch die „Nickelichkeit“ des Navi-Gerätes das eine oder andere Mal in abenteuerliche MTB Strecken gelotst. An einer kleinen Bäckerei am Wegesrand geben wir unserer Erschöpfung nach und legen mit Kuchen und Kakao ein paar Kalorien nach.

Wir finden die Etappe am Anstrengendsten und wünschen uns langsam ans Ziel. Vorher müssen wir aber noch durch das Städtchen Eckernvörde. Es ist eine zauberhafte, kleine Stadt mit einem schönen alten Kern. Natürlich lotst uns das Navi durch die Fußgängerzone, in der Radfahren verboten ist. Heike wird auch prompt von einem Passanten angeraunzt, so dass wir beide schieben. Es hat herrliche Cafés, die zum verweilen einladen,

aber bei uns drängt langsam die Zeit, da wir nicht zu später Stunde eintreffen wollen. So schieben wir staunend durch die engen Gassen.

Plötzlich scheinen wir irgendwo in Palma de Mallorca am Strand zu sein. Große Jachten, mit wichtigtuenden Menschen, liegen hier vor Anker und sonnen sich. Die Menschen laufen mit Gummi-Tieren zum Wasser oder in dünner Bekleidung zu den vielen Ständen und kleinen Läden an der Promenade. Uns bleibt der Mund offen stehen. Aus der tiefsten Eifel……… direkt an den Sonnenstrand! Das nenne ich mal krass! Vor 5 km war noch alles einsam und hier tobt das Leben. Wir gesellen uns etwas dazu und lassen das Ostseetreiben auf und wirken.

Dann geht es zum Endspurt nach Brodersby. Nirgendwo hängt ein Hinweisschild und wir glauben langsam nicht mehr daran, dass wir heute noch unser Ziel wirklich erreichen. Wir machen noch einmal eine Pause und werfen gerade einen Blick in unseren Gahna-Express, als wir am Ende unserer Kräfte erst ein Hinweisschild nach Brodersby und dann auch ein Werbeschild von Peter und Elsbeth ausmachen können.

Die Aussicht auf ein schönes Wochenende verleiht uns noch einmal Kraft, so dass wir die letzten Meter auch noch schaffen.

Das Haus, das auf uns wartet, ist ein schönes wohnliches Landhaus mit einer großen Werkstatt. Alles ist grün uns strahlt ein angenehmes Flair aus.

Peter und Elsbeth laufen uns direkt über den Weg. Alle lachen und umarmen sich.

Wir werden bestimmt ein schönes Wochenende haben, werden viel über Gespanne und Fahrräder reden, gemeinsam alte Zeiten aufleben lassen, von unserer Radreise erzählen, ein Wickingerdorf besuchen, in Kappeln hervorragenden Fisch essen gehen und bei langen Spaziergängen mit der Hündin Lotta ein wenig ausspannen.

 

Wir freuen uns!

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