Ich muss nicht nach Santiago

Tag 11: Elmshorn – Breisach

Stille!

oder warum ich eigentlich Abbitte leisten muss.

Hier im Norddeutschen Raum leben einige der besten und schnellsten Straßen-Gespannfahrer (Motorrad mit Seitenwagen)weit und breit. Da ich mich, in aller Bescheidenheit, selber zu diesem Kreise zählen darf, verbindet mich mit diesen Leuten sehr viel. Gemeinsam haben wir tolle Tage verlebt und so manche schnelle Runden auf Rennstrecken unter die Räder genommen. Viele Geschichten sind dabei entstanden und könnten ein eigenes Buch füllen. Obwohl ich mich schon immer gewundert habe, dass so große Seitenwagen-Fahrer in einem Gegend leben, die linealgerade Straßen, Null-Erhebungen und ausschließlich Deiche hat. Dabei ist mir schon aufgefallen, dass diese Gespannfahrer alle ausgesprochen gut fahren können, was bei besagten Straßen ja nur auf eine gute Play-Station schließen lässt. Wenn ich mir überhaupt etwas zu Schleswig-Holstein vorgestellt habe, dann riesige Bauernhöfe, Trecker in Jumbogröße, Kühe und plattes Land.…… dachte ich!

Man, was war diese Vorstellung falsch. Schon hinter der Fähre Wedel, fiel uns auf, wie schön das Land, die Häuser und wie freundlich die Leute sind. Am schockiertesten aber war ich, als sah das es hier knackig rauf und runter geht. Es hat hier Wald, richtig derbe Kurven und eine Landschaft die mich eher an das Bergische Land oder an die Eifel denken lässt. Oder sagen wir vielleicht besser, die Landschaft wechselt immer zwischen dem Bergischen Land und Ostfriesland. Dabei ist alles hier sehr weitläufig und wirkt sehr entspannt. Eine richtig schöne Gegend.

Wir haben keinen einzigen Polizisten gesehen und Siedlungen sind hier echt Mangelware. Was uns aber am Meisten aufgefallen ist, ….. die Stille. Ja, im Ernst! Es ist still hier! Wenn hier die Behörden Elektroautos vorschreiben würden, könnte man glauben, man wäre in einem Taubstummenfilm. Wenn du hinter dir einen Trecker hörst und dann in den Spiegel schaust, ist noch lange nichts zu sehen. STILLE!

Die gestrige Nacht in unserem Hotelzimmer haben wir sehr genossen. Das Frühstück war exzellent und viel wichtiger, der besten aller Ehefrauen, geht es wieder besser. Morgens sind wir wie immer mit 30 Minuten Verspätung gestartet. Da unser Navi nur mit Schwierigkeiten dazu zu bewegen war, von einem neuen Punkt aus zu starten, ging es für uns in Elmshorn recht holprig los. Als wir aber erst einmal aus dieser „ kleinen Stadt“ heraus waren, hatten wir schnell unseren Pilgerweg D7 wieder gefunden. Wie immer schlängelte er sich über fantastische Wirtschafts- und Waldwege dahin. Mit jedem weiteren Kilometer fühlten wir uns immer mehr ins Bergische Land versetzt. Das bedeutete für uns aber auch, eifrig rauf und runter zu strampeln. Stellenweise waren die Waldwege eher für MTB geeignet, als für so fette Lastenesel wie unsere. An einigen Stellen mussten wir durchs Gestrüpp fahren oder die Fahrräder über umgestürzte Bäume tragen. Dabei war der Wind heute gnädig zu uns, denn er blies zwar heftig, aber Gott sei Dank, von der Seite.

Da wir außer dem Bestaunen der tollen Landschaft nichts zu tun hatten, überlegten wir uns, mit welchem alternativen Fahrzeug wir eine ebenso schöne Tour fahren könnten. Wir holten uns bei den vorbei fahrenden Autos und Motorrädern Anregungen, konnten uns aber auf keines festlegen, am ehesten war für uns noch ein weich gefedertes Gespann vorstellbar. Passende Garagen für ein Auto und ein Gespann gleichzeitig, gab es hier ja an jedem Haus.

Je mehr Kilometer wir bei geschätzten 30 Grad zurücklegten, umso mehr litt unsere Sitzfläche. Als wir um eine der vielen Wegbiegung fuhren, rief meine Heike von hinten:

„Guck mal, da hinten ist ein Segelboot!“

„Ein was……….?“

„Segelboot!“

Ich konnte mir jetzt hier oben in Norddeutschland vieles vorstellen, aber ein Segelboot auf einem Feldweg, geht auch hier nicht. Oder sollten wir uns verfahren haben und sind schon an der Ostsee? Ich schaute in Heikes Richtung und tatsächlich, da war es.

„Seltsame Gegend!“

Wir fuhren in Richtung des Segels, als ein riesiges Containerschiff scheinbar über die Wiese, an uns vorbei fuhr. Langsam dämmerte es uns: Wir sind am Nord-Ostsee-Kanal angelangt. Eine Zeitlang fuhren wir parallel zum Kanal und schauten staunend den Schiffen zu, als unser Navi meinte, wir müssten auf die andere Seite.

Eine Brücke (Containerschiffe???) hatten wir erwartet, aber eine Fähre ist es geworden. Nach dieser Kanalüberquerung fehlten uns noch 5 Km zu unserem Campingplatz. Dieser war ein Anhängsel eines Hotels und lag einige Kilometer entfernt, traumhaft gelegen, an einem kleinen Kanal. Schnell bauten wir unser Zelt auf, gingen Duschen, wuschen unsere Wäsche aus und fuhren wieder zurück zu dem Hotel zum Essen. Das Restaurant hatte den Flair einer Dorfkneipe und überraschender Weise exzellenten Fisch.

Im Ganzen haben wir heute 80 Km Bergisches-Land / MTB Strecke in den Beinen.

Nun werden wir bezahlen, fahren zu unserem Stoffmobil, … und gehen in die Horizontale.

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