Ich muss nicht nach Santiago

Tag1: Düsseldorf – Hünxe

Der Ghana-Express auf Radreise

oder ziehen Sie um….?

Ja,……. wir haben zu viel Krempel mit. Wenn ich mich hier aber umsehe, dann sitze ich gerade auf einer Bank an unserem Hängertisch, rechts von mir ist das Zelt, der Wasserkocher grummelt, wir haben gut gespeist, mein Laptop ist an und Heike ist duschen.

„So lässt es sich leben“, stellten wir schon nach einem Tag Radreise demütig fest. Dabei hat der Tag schon etwas schwierig begonnen. Gestern Abend ist Deutschland Weltmeister geworden und überall in der Umgegend waren Böllerschüsse und Hupen zu hören. Das ist nicht gerade förderlich, wenn man am Tag vor der großen Radreise aufgeregt im Bett liegt.

„Ob wir wirklich die Route finden? Ob das Rad auf der langen Strecke mit der Gepäcklast überhaupt fahrbar sein wird? Haben wir auch alles mit……?

Ich habe auf jeden Fall lange wach gelegen. Das Wesentliche hatten wir ja schon eingepackt, so dass heute Morgen nur noch der Rest dazu gepackt werden musste.

Um 9.45 Uhr fuhren wir dann los. Zuerst noch auf bekannten Straßen Richtung Duisburg, dann mit Garmin und Karte weiter. Wir hatten versucht uns an der Deutschlandroute D7 zu orientieren. Wir mussten aber schnell feststellen, dass die Ausschilderung ziemlich grottig war. So blieb uns nichts anderes übrig, als uns mit unserem Garmin, der Route folgend, zum Ziel zu navigieren. Da wir aber schon ein wenig Übung damit hatten, ging es ganz gut.

Heike bemängelte, dass Ihr Ghana-Express (vermutlich wegen der hohen Zuladung) ganz besonders schwubbelte. Ständig hörte man ein OHHHH oder ARGGGG von hinten. Ein wenig belächelte ich meine Heike, was sich aber direkt rächen sollte. Auf einem wunderschönen Schotterweg, in mitten von Duisburg, gesellte sich zu dem OHHHH und ARGGGG ein kräftiges RUTSCH, SCHMIRGEL … und SCHEISSE. Ich hielt sofort an, um meinem schimpfenden Kobolt zur Seite zu stehen.

Ich habe ja gesagt, dass der Hänger heute ganz besonders schwubbelt … Du, … mein Vorderrad ist ja platt.

„Tja, keine Luft im vorderen Pneu hat schon ganz andere Leute vom Rad geholt!“ Ruckzuck, das Werkzeug und den Schlauch heraus gekramt und die Sache war schnell bereinigt. Heikes Arm hatte etwas abbekommen, aber ansonsten war die Stimmung für den ersten Tag ganz gut. Dann ging es weiter.

An einer malerischen Rheinaue machten wir nach 40km Pause. Wir öffneten unsere Vorratstasche, die nach einer guten Mahlzeit immer noch nicht wesentlich kleiner geworden war. Ich sag nur, Ghana-Express! Die Wolken am Himmel machten uns aber klar, dass es gleich eine Abkühlung geben würde. So packten wir alles wieder ein und zogen die Regesachen an, und wieder aus und wieder an und wieder aus. Alle paar 100 Meter je nach Wetterlage. Die Strecke wurde immer malerischer, je weiter wir in Richtung Wesel kamen. Als eine Wolke am Himmel wieder eine rasche Bekleidungsänderung erforderte, stellte ich fest, dass ich meine Regenhose verloren hatte. Lag es jetzt an meiner Zerstreutheit oder an der schlechten Befestigung der Hose an meinem Gepäckträger. Auf jeden Fall war Sie weg und ich ärgerte mich sehr darüber. Kurz vor Wesel, an einer malerischen Stelle, direkt am Rhein, machte Heike mich auf ein schönes Hotel (Wacht am Rhein) aufmerksam, um mich mit einem Stück Kuchen über meinen Verlust hinweg zu trösten. Das machten wir dann auch ausgiebig.

In Wesel suchten wir dann einen Fahrradladen auf, um einen neuen Schlauch zu kaufen und nach einer neuen Regenhose Ausschau zu halten, obwohl Heike mich ein wenig mitleidig belächelte, „Das Wetter wird jetzt nur noch gut sein……….bestimmt……!“ Er hatte auf jeden Fall keine Regenhose im Sortiment.

Hinter Wesel fuhren wir an der Lippe entlang. Die Strecke wurde immer malerischer. Während ich so vor mich hin träumte… machte sich ein netter Ast auf, in mein Vorderrad zu springen, aber dank der schweren Hecktaschen, die einen Überschlag verhinderten…J  ging es für den Stock übel, und für meine Schutzblechstrebe krumm aus. Nix großes……!

Das Aufbauen ging uns ganz entspannt von der Hand. Da keinen Gasthof in der Nähe aufzutreiben war, plünderten wir weiter unsere Essenstasche, obwohl sie dabei immer noch nicht wesentlich abnahm.

„Tja, wie hatte uns noch der Bauer im Vorbeifahren zugerufen? Machen Sie eine Radtour oder ziehen Sie um……….?“

Ich sag nur Ghana-Express und Gutsnächtle!

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Tag 2