Ich muss nicht nach Santiago

Wieder zu Hause

Nachtrag

Ein wenig unruhig steuerte ich mein Fahrrad zu der kardiologischen Praxis in der Innenstadt. Was wird die Untersuchung ergeben? Werden die Werte mich wieder in eine normale Zukunft entlassen? Sicher war ich in den letzten Tagen und Wochen immer besser mit meiner Pumpe klar gekommen und mein Fitnesszustand wurde mit jedem Kilometer besser, aber sieht der Kardiologe das genau so? Sind die Zeiten, in denen ich mich Panik in den Augen nachts im Bett lag, wirklich vorbei?

Ich schloss mein Fahrrad vor dem großzügigen Eckhaus an und betrat das Treppenhaus. In einer neu erworbenen Gewohnheit ging ich über die Treppe die Etagen bis zu den Praxisräumen hinauf.

„Haben Sie eine Überweisung für mich…,“ fragte mich die zauberhaft aussehende Arzthelferin hinter der Theke.

Bereitwillig gab ich Ihr das geforderte Dokument.

„Wenn Sie bitte dort vorne warten, der Doktor wird sie abholen!“

Ich bedankte mich und ging ruhig zu den an einer Wand stehen Stühlen. Ich setzte mich und hing in Gedanken unserer Radreise nach.

„Wir hatten es echt getan und es war richtig gut!“

„Herr Just? Wenn Sie mir bitte folgen…..!“

Der Doktor ging mit mir in seinen Besprechungsraum und erkundigte sich bei mir über mein Befinden. Dann legte er die weiteren Untersuchungen fest.

„Wie viele Jahre liegt denn Ihre letzte Herzattacke zurück?“

„Zwei Monate!“

Der Arzt schaute mich ungläubig über den Rand seiner Brille an und deutete mir, ich solle den Oberkörper frei machen und mich auf die Liege legen. Dann hörte er mich ab, fragte immer wieder Befindlichkeitsdetails, mal mit Einatmen, mal ohne. Dann machte die Helferin ein Ruhe EKG, welches er sich genau ansah. Anschießend wurde ich mit einem Glibber eingeschmiert und ausgiebig mit einem Ultraschall-Gerät „durchleuchtet“.

Am Ende dieser Untersuchungen schaute mich der Doc eindringlich aber ergebnislos an und schickte mich zum Belastungs-EKG in den Nebenraum. Dort wartete wiederum eine die Herzfrequenz nicht unbeeinflust lassende Arzt-Helferin auf mich.

„Bitte auf den Ergometer setzen,“ flötete Sie mich an.

Ich schaute mir das im Kinderformat eingestellten Ergometer-Fahrrad an und sprach:

„Das ist nicht Ihr Ernst, ich bin fast zwei Meter groß und die Einstellung ist wie für ein Kind. Darf ich mir das einstellen?“

„Eigentlich nicht, da ich es nicht wieder zurückstellen kann…..“

„Hmmm….“ Grinste ich zurück, „das kriege ich hin.

So machte ich aus einem Ergometer im Kinderradformat wenigstens einen, was mir nur „normalvielzuklein“ war. Mehr Einstellmöglichkeiten hatte der Apparat leider nicht, aber ich wollte ja auch nicht damit nach Kappeln fahren, obwohl ich schon gerne die Einstellung meines Fahrrades übernommen hätte. Dann schloss mich die Helferin an verschiedene Kabel an und schaltete das EKG ein.

„So jetzt bitte gleichmäßig treten bis Sie nicht mehr können oder ich Stop sage.“

Ich tat wie mir geheißen und stellte mir die Alpenpässe von Osnabrück vor. Fast war mir, als könnte ich noch den Geruch von dem Kakao in der Luft wittern. Schnell wurde mir aber auch klar, dass mit jeder neuen Schwierigkeitsstufe die Fahrradeinstellung immer größerer Mist war. Mit so einer Einstellung hätte ich vermutlich schon in Duisburg die Heimreise angetreten. Aber es war ja nur für die eine Messung. So träumte ich von den Bergen in Osnabrück auf einem Kinderrad, während der Brutduckmesser pumpte und mir die Praxis-Schönheit beim Treten zusah.

„Sie sind jetzt bei 300 Watt…. Ihr Blutdruck ist bei 160 und der Puls auch… fahren Sie die Stufe noch zu Ende, dann können Sie sich wieder anziehen.

Draußen auf dem Gang nahm mich der Doktor wieder in Empfang und begleitete mich in den Untersuchungsraum.

„Ich habe mir Ihre Auswertungen angesehen und auch das Langzeit EKG überprüft!“

Dabei setzte er einen Blick auf, der knapp an einer Beleidigung vorbei ging. Es sah so aus, als würde er sich überlegen, wie er mir am einfachsten klar machen wollte, dass er mich nicht krankschreiben wird.

„Ihre Werte sind 140% von dem, was ein gesunder Mensch in Ihrem Alter zu leisten im Stande ist. Auch auf dem Langzeit EKG und auf dem Ultraschall kann ich nichts Besonderes erkennen!“ Bei diesem Satz schaute er mich sachlich und zufrieden an.

„Sie sollten definitiv wiederkommen wenn Sie krank sind……!“

Ich hörte seine Worte und begann zu schmunzeln, da ich fühlen konnte, dass der Arzt mich in diesem Augenblick für einen Hypochonda hielt.

„Ich darf mich also Ausbelasten…..?“

„Selbstverständlich! Warum denn nicht!“

In meinem Kopf begann leise ein Band zu spielen und die Bilder der Radreise tanzten dazu im Kreis. Ich setzte ein fettes Grinsen auf. Dann gab ich dem Doktor die Hand und ging feixend und lachend nach draußen. Auf dem Gang zum Empfang, schauten mich einige der hier wartenden Patienten verwundert an, während ich pfeifend an Ihnen vorbei die Praxis verließ. Draußen steuerte ich wieder das Treppenhaus an. Auf der Treppe setzte ich mich kurz auf eine Stufe, schaute lächelnd nach oben und schickte glücklich einen Gedanken in die Höhe:

„Danke!“

 

      Ich hoffe Ihr hattet so viel Spaß 

           beim Lesen 

          wie wir bei der Herstellung 

        dieses Buches. 

     Es grüßen Heike & Thomas Just

 

 

 

Copyright: Heike & Thomas Just.

 

Das Kopieren der Bilder oder des Textes, auch nur Auszugsweise, bedarf der Genehmigung der Autoren oder von Oliver Just.

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