Ergebnisgrinsen

Ein Ausflug in die Gegenwart
Oder: Was wurde aus Berni?

Um Ihnen als Leser nicht Bernis weiteren Werdegang zu unterschlagen, machen wir mal einen kurzen Ausflug in die Gegenwart.

Berni nahm vier Wochen später sein Fahrrad in Empfang. Er war stolz wie „Bolle“. Er hat sich bei der Übergabe des Rades für seine Verhältnisse richtig Zeit genommen. Wir haben seine Sitzposition gemeinsam ergonomisch eingestellt und sind die Möglichkeiten der richtigen Beladung durchgegangen. Dann ist er auf seinem neuen Rad nach Hause gefahren. Das waren immerhin zwanzig Kilometer.

Dann war er weg. Erst einmal.

Monate später habe ich Willi bei unserem Burghof-Termin auf unseren Freund angesprochen.

„Wie geht es eigentlich dem Berni?“

„Der hat mich letztens mit dem Fahrrad besucht, und das sind hin und zurück rund 80 Kilometer.“

Ich konnte mir ein erstauntes Grinsen nicht verkneifen. „Wie hat er denn seinen Alltag gemeistert?“

„Der hat doch allen Ernstes den Freitag zu einem Fahrradtag erklärt und seinem Chef klar gemacht, dass er ab jetzt für freitags eine andere Route braucht.“

„Klasse!“

„Dem hast du mit dem Fahrrad richtig was angetan!“

„Angetan?“, fragte ich erstaunt.

„Der Narr ist in den letzten Monaten bei Schnee, Regen und Ekelwetter 3000 Kilometer gefahren. Er ist gerade dabei, den Donnerstag auch noch zu einem Fahrradtag zu machen.“

Ich war sprachlos.

„Dass es Berni gut tun würde war klar, aber dass er sich so auf die Sache stürzen würde, hatte ich nicht gedacht“, sagte Willi. „Der übertreibt die Sache mit dem Fahrrad doch hoffentlich nicht?“

„Das ist das Schöne an unserem Körper. Wenn er erschöpft ist, meldet er sich ganz von allein und sehr deutlich. Ich denke, da radelt sich gerade einer die Anspannung und den Frust weg. Glaub mir, der schläft jetzt abends wie ein Baby“, grinste ich.

Willi schaute mich nachdenklich an. „Das hört sich gut an! Fest steht: Berni hat jetzt mehr Zeit, fährt wieder Motorrad und sieht auch wieder entspannter aus.“

Ich musste wieder an meinen Kampfsportlehrer denken. Eines Tages, als ich sehr entschlossen und angespannt trainierte, kam er zu mir und sagte: Richtig gute Leistungen bringt man erst, wenn man tief im Inneren ganz entspannt ist. Beim Bogenschießen sagt man: Erst wenn du das Ziel nicht mehr treffen willst, wirst du es treffen. Denn der Wille zum Treffen verdirbt dir die ruhige entspannte Haltung und lässt dich am Ende das Ziel verfehlen.

„Du, Willi, ich denke, dass Berni wieder auf Spur ist“, stellte ich befriedigt fest.

„Weißt du, was noch viel besser ist?“

„Erzähl!“

„Er hat sich nach einem neuen Job umgeschaut.“

„Wow! Das haut mich echt um.“

„Irgendwie sitzt der Kerl jetzt permanent auf seinem Fahrrad. So wie der im Augenblick drauf ist, kannst du ihm direkt ein zweites bauen.“

„Na, jetzt gehst du aber ein bisschen zu weit. Der wird auch wieder normal.“

„Berni und normal? Ob das geht?“, hegte Willi leichte Zweifel.

Wir lachten beide laut und herzlich. Die Leute an den Nachbartischen drehten sich zu uns um und schüttelten verständnislos den Kopf.

Bilanz:

So ein Fahrrad ist schon ein besonderes Gefährt. Es bewegt uns Menschen in vielerlei Hinsicht.

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